Der Luxus und die Landwirtschaft
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gebung der Stadt in gartenmäßigem Anbau Gemüse pro-duziert wird.
Die Kitchen-garden erstrecken sich bis nach Gravesend,wo die besten Spargel gezogen werden 197 .
2. In den Kolonien
Auf die Landwirtschaft in den Kolonien hat die Steige-rung des europäischen Luxusbedarfs ganz anders gewirkt:hier hat sie kapitalistische Unternehmungen großen Stils,vielleicht die ersten ihrer Art, unmittelbar ins Leben gerufen.
Zunächst, daß die Produktion in fast allen europäischenKolonien eine Produktion hochwertiger Luxusgüter war, habenuns die Übersichten über die Gegenstände des kolonialenHandels gelehrt. Denn diese Luxuswaren wurden ja zumgrößten Teil in der überseeischen Landwirtschaft erzeugt.Die Artikel, die hier vornehmlich in Betracht kommen, sind:der Zucker, der Kakao, die Baumwolle (bis in die Mitte des18. Jahrhunderts ein Luxusartikel) und der Kaffee, die sämt-lich in den amerikanischen Kolonien erzeugt wurden, und dieGewürze, das Hauptprodukt der ostasiatischen Kolonien;während ich den Tabak ausscheide, weil er ein Genußmittelwar, das in den unteren Schichten ebenfalls verbreitet war(von den feineren Sorten abgesehen): „dans les colonies onne travaille que pour le luxe“ urteilt also durchaus sach-gemäß ein Schriftsteller im Anfang des 18. Jahrhunderts 198 .
Sehen wir von der Arbeitsverfassung ab, die in denholländischen Gewürzkolonien herrschte und die in einemkomplizierten System von Zwangsproduktion der Eingeborenengipfelte, so wurden alle die genannten Luxusgüter in denKolonien der Europäer in großen Plantagenwirtschaften er-zeugt, die einen durchaus kapitalistischen Charakter tragen.Man hat vielleicht mit Recht gesagt, daß sich hier, fern vonden Traditionen der europäischen Kultur, zuerst rein kapi-talistische Gebilde entfaltet haben. Freilich muß man dann