Der Luxus und die Industrie
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Gewerbezweige, die Luxusgüter herstellen, der Regel nachfrüher vom Kapitalismus erfaßt werden als die anderen;
4. daß in den Luxusindustrien zuerst großkapitalistischeund großbetriebliche Organisationsformen sich ausbilden.
Es wird die Übersichtlichkeit erhöhen, wenn wir unsereErörterung für die reinen Luxusgewerbe und für die ge-mischten Gewerbe gesondert anstellen.
2. Die reinen Luxusgewerbe
a) Die Seidenindustrie. Daß die Seidenindustrieim Wirtschaftsleben der europäischen Völker während derfrühkapitalistischen Epoche eine überragend große Bedeutunggehabt hat, wissen selbst unsere „Historiker“. Man kanndie Tatsache also gewissermaßen als geschichtsnotorisch be-trachten und braucht sie nicht erst lange zu beweisen. ZweiZiffern mögen hier Platz finden; der Wert der Lyoner Seiden-zeuge belief sich in dem Zeitraum von 1770 bis 1784 (nachden Berechnungen in der Encycl. möth.) auf jährlich etwa60 Milk Fr. Der Wert der gesamten Einfuhr nach Frank-reich beziffert sich in den Jahren 1779—1781 auf bzw. 208,216, 269 Mill. Fr., der der Ausfuhr auf 285, 236, 260 Milk Fr.,der Gesamtwert des auswärtigen Handels demnach auf 443,452, 529 Milk Fr. 5 von diesem machte also der Wert der inLyon allein erzeugten Seidenwaren V &— Vt aus. Da der Wertder im Jahre 1911 die deutsche Grenze überschreitendenWaren 19,161 Milk Mk. betrug, so würde den 60 Milk Fr.Produktionswert heute ein solcher von 2400—2700 Milk Mk.entsprechen. Zum Vergleich: nach den Produktionserhebungendes Reichsamts des Innern betrug der Gesamtwert des inDeutschland erzeugten Roheisens (1908) 657152 000 Mk., derWert des erzeugten Baumwollgarns 644464000 Mk., der Wertder geförderten Steinkohlen (1910) 1535258000 Mk. Roh-eisen + Baumwollgarn + Steinkohlen zusammen würden alsoungefähr das in der heutigen Volkswirtschaft eines Kultur-
Sombart, Luxus und Kapitalismus 12