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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

Luxusindustrie oder auch nur der Qualitätsindustrie in denZahlen- und Größenfeststellungen berücksichtigt werden. EsheißtTuchweberei, aber keine Statistik der Welt unter-scheidet, ob es sich um das Weben allerfeinster oder ganz groberTücher handelt; und so in zahlreichen Fällen. Deshalb wirdman für viele Gewerbearten, wenn nur im ganzen für ihrenUmfang Zahlenangaben gemacht werden, nicht feststellenkönnen, wie groß innerhalb ihrer die Luxusindustrie ist,während man es bei anderen Gewerbearten kann, die reineLuxusindustrien sind: Gobelinweberei, Goldbortenfabrikation,Goldschmiederei usw. Wir können jene anderen Gewerbe, indenen Grob- und Feingut hergestellt wird, im Gegensatz zudiesenreinen Luxusgewerbengemischte Gewerbe nennen.

Kann man also selbst heute nicht sagen, etwa für Deutsch-land , wieviel Prozent der gewerblichen Arbeiter in Luxus-industrien beschäftigt sind, wieviel weniger ist eine solcheziffernmäßige Verhältnisbestimmung möglich für die ver-gangenen Jahrhunderte, für die jede allgemeine Industrie-statistik fehlt.

Wollen wir die Bedeutung des Luxusbedarfs für die Ent-wicklung des gewerblichen Kapitalismus trotzdem ermessen,so müssen wir es wie in allen ähnlichen Fällen auf demUmwege des monographisch-induktiven Verfahrens tun; wirmüssen es uns vor allem angelegen sein lassen, die grund-sätzlichen Eigenarten herauszufinden, die die als kapitalistischeLuxusindustrien erkannten und anerkannten Erscheinungendes gewerblichen Lebens an sich tragen.

Wir werden dann etwa folgendes nachweisen können:

1. daß einige Luxusindustrien eine große absolute Aus-dehnung gewonnen haben, deren Bedeutung wir durch aller-hand Vergleiche uns ins Gefühl bringen können;

2. daß ausgesprochene Luxusindustrien besonders früh-zeitig dem Kapitalismus anheimfallen;

3. daß innerhalb derselben Gewerbegruppen diejenigen