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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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eine besondere Kategorie von Industrie von anderen sieh ab-heben sehen. Aber es geht nicht an, den Begriff der sagenwir unmittelbaren, echten Luxusindustrie etwa auf die-jenigen Gewerbe zu beschränken, die Luxusgut erster Ordnungherstellen, da wir sonst, wie gesagt, ausgesprocheneLuxus-industrien, die jedermann als solche anerkannt sehen will,wie die Brokatweberei oder Goldbortenwirkerei, ausschließenmüßten.

Ich glaube, das Merkmal, das den Begriff der Luxus-industrie wesentlich bestimmt, ist die Artbeschaffenheit deserzeugten Gutes selbst: ob dieses selbst ein hochwertiges Gutsei, entscheidet darüber, ob das Gewerbe, in dem es erzeugtwird, eine Luxusindustrie ist oder nicht. Darum eine Seiden-filanda, obwohl sie ein Luxusgut dritter Ordnung herstellt,eine Luxusindustrie ist, eine Brettschneidemühle, die einLuxusgut zweiter Ordnung liefert, dagegen nicht. Wenn inderartigen Industrien, die geringwertige Güter herstellen,also Güter von niedrigem spezifischem Wert, durch den LuxusKapitalismus erzeugt wird, so ist es doch immer ein Massen-ahsatz, der diesen ermöglicht hat. Freilich: ein Massenabsatzvon Luxusbedarfs Gnaden.

Wir verfolgen jetzt also nur die echten Luxusindustrien.Und selbst wenn wir nur diese ins Auge fassen, ist die Ein-flußsphäre des Luxus und seine Bedeutung für die Heraus-bildung des kapitalistischen Wirtschaftssystems außerordent-lich groß.

Leider werden wir wohl für immer darauf verzichtenmüssen, uns von dieser Bedeutung eine quantitative Vor-stellung zu machen, insbesondere aber den Anteil, den derLuxus an der Überführung der gewerblichen Produktion indie kapitalistische Organisation hat, ziffernmäßig festzustellen.Das könnten wir selbst heute mit Hilfe unserer hochent-wickelten Berufs- und Betriebsstatistik nicht. Und zwar des-halb nicht, weil weder früher noch heute die Kategorien der