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174 Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
Oder wenn man meint, weil es ein Arbeitsmittel sei,ändere sich der Sachverhalt; wird man die Brettschneide-mühle, in der die Hölzer für die Kunstmöbelmanufaktur her-gerichtet werden, also ein Gut zweiter Ordnung auf demWege zu dem Luxusgut Kunstmöbel: wird man sie eine Luxus-industrie nennen?
Ich glaube nicht. Ich glaube, man wird selbst die Eisen-gießerei, aus der die eisernen Röhren für die Versailler Wasser-kunst hervorgingen, die also diejenigen Gegenstände lieferte,ohne die diese eminente Luxusanlage nicht hätte geschaffenwerden können, keine Luxusindustrie nennen.
Freilich: eine Beziehung zwischen solcher Art Industrienund der Entfaltung des Luxus besteht schon. Und will mandie Bedeutung dieses Kulturphänomens in ihrer ganzen W T eiteermessen, so muß man auch diese Ausstrahlungen mit in Rück-sicht ziehen. Denn alle diese Gewerbe, die in größerer oderkleinerer Entfernung an der Deckung des Luxusbedarfs teil-nehmen, wären ja nicht in der Welt, wenn der Luxus nichtin der Welt wäre. Und ein sehr großer Teil der frühkapita-listischen Industrien ist auf diese Weise auf Umwegen vomLuxus ins Leben gerufen worden. Wenn auch die Umwegezuweilen recht weite sind: weil die Glas- und andere Luxus-industrien das Holz in den Wäldern aufgebraucht hatten, wurdedie Steinkohle ein immer begehrteres Feuerungsmaterial, nachdem um so mehr Nachfrage entstand, je mehr Menschen sichin den vom Luxus getragenen Großstädten niederließen. Undso entstand eine der größten Industrien der frühkapitalisti-schen Epoche: die Kohlenindustrie von New Castle.
Aber ich meine gar nicht diese indirekt vom Luxus er-zeugte Industrie, die man vielleicht mittelbare Luxusindustrienennen könnte, wenn ich von dem Einfluß des Luxus auf dieUmgestaltung der gewerblichen Produktion spreche. Da denkeich vielmehr an die Luxusindustrie im „eigentlichen“ Sinne,die wir ja ganz deutlich, in unserem Gefühl wenigstens, als