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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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Diese Bologneser Seidenhaspel- und Zwirnmaschine warberühmt. J. J. Becher berichtet davon 212 :(Sie) haben zuBologne in Italia ein Filatorium erfunden, welches die Seydeabwindet und auch zwirnet | aber dieses Instrument ist sehrgross | kostbar und mühsam | und hat viel tausend entia, Zähnund Getrieb | derowegen es offter wandelbar wird. Die Italiänerhalten es gleichwol in so hohem Werth und Segretezza, dasses bey Hencken verboten jemand zu zeigen. Ich habe gleich-wohl gedachte Machinam von den Italiänern nachgemacht zuMünchen gesehen | aber wegen ihrer grossen Kosten undvieler entien wie gedacht | nicht sehr aestimirt.

Nach diesen Worten ist es zweifelhaft, ob diese großemaschinelle Seidenspinnerei außerhalb Italiens überhaupt Ver-breitung gefunden hat. Möglicherweise beginnt die groß-betriebliche Seidenspinnerei in den übrigen Ländern erst im17. Jahrhundert sich zu entwickeln, als man die Erfindungebendesselben Joh. Joach. Bechers sich zunutze machte. Ererzählt uns, daß seine Maschine in einer Fabrik Anwendunggefunden habe, die die Stadt Harlem zu diesem Zwecke erbauthabe: die Fabrik war 300 Schuh lang und kostete 40 000 fl.Becher ging 1676 in die Niederlande ; aus dem Anfang der1680er Jahre hören wir von großenSeidenfabriken, die inUtrecht eröffnet werden und 500 Arbeitern Brot geben sollen:möglich, daß es Seidenfilanden waren. Übrigens bedeutetedie Bechersche Erfindung einen Rückfall aus der Fabrik indie Manufaktur, da seineMachina gantz unwandelbar | undohn einig Gerase gantz leicht zu bewegen | also dass ein Menschauf einmahl tausend Stränge abwinden kan | da hingegen dieBolognesische Machina mit Wasser getrieben werden muss.

Genug: seit dem 14. Jahrhundert bestehen in Italien ,sicher auch seit dem 17. Jahrhundert in den nordischenLändern großhetrieblich organisierte Seidenfilanden: in Eng-land Silk-Mills (also hatten sie Wasserantrieb?) genannt.Defoe 213 findet auf seinen Wanderungen eine solche Seiden-