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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
mühle in Sheffield, die nach dem Vorbilde der von Stockport gebaut ist: 5 Stockwerke hoch, 90 yards lang und in der200 Hände beschäftigt werden.
b) Die Spitzenindustrie. Diese Luxusindustrie hatfür einzelne Länder und Landesteile eine große Bedeutunggehabt. 1669 waren in Frankreich 17 300 Arbeiter und Ar-beiterinnen in der Spitzenindustrie beschäftigt 214 . Im König-reich Sachsen lebten im 18. Jahrhundert ganze Bevölkerungenvom Spitzenklöppeln. Ein Glück, daß der Herr Landbau-verwalter Christ. Ludw. Ziegler aus Hannover am 18. Junius1775 von Chemnitz nach Zwönitz wanderte, um auf denSchneeberg zu kommen, und daß er seinem Freunde JohannBeckmann, ordentlichem Professor der Ökonomie in Göttingen, von den Eindrücken, die er auf dieser Wanderung in sichaufnahm, in einem Briefe Bericht erstattete 216 : so wissen wirwenigstens, was es damals mit der Spitzenklöppelei im Erz-gebirge für eine Bewandtnis hatte, wissen, daß in jedemHause „so viel Klöppelküssen auf dem Tische als Weibsen indemselben waren“. Kleine Kinder von fünf Jahren, erfahrenwir, „fangen schon mit Kanten an, die durch ein Paar Kleppelgemacht werden, und das Gespiel eines dreijährigen Mädgensist ein Kleppelsack mit vier Kleppeln zu einer Lidze“.
Waren diese geklöppelten Spitzen vielleicht schon im18. Jahrhundert nicht durchgängig mehr ein Luxusartikel,den sich nur Reiche anschatfen konnten, so gilt doch von denfeinen Nähspitzen, die in Brabant und seit Colbert namentlichauch in Frankreich gefertigt wurden, daß sie nur in denOberschichten der Gesellschaft ihre Abnehmer fanden.
Die Organisation war in allen Fällen dieselbe: die Spitzen-arbeiter wurden von Kaufleuten beschäftigt, „die man (imErzgebirge) Spitzenherren nennt“ und unter denen zuweilen(in Frankreich) Zwischenmeisterinnen arbeiteten, die selbstwieder je 4—5 Arbeiterinnen unter sich hatten.
In der Spitzenindustrie sind aber daneben ganz eigen-