200
Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
der königlichen Schlösser diente, also nicht nur die Möbelaus Ebenholz, Schildpatt und farbigen Hölzern mit ihrenSchnitzereien und Intarsien, sondern auch die Wand- undFußteppiche, die Lüster und Kandelaber aus Bronze undKristall; das Silber- und Goldgeschirr, das mit Edelsteinengeschmückt war usw.
Es ist hier nicht der Ort, darzustellen, wie in diesenWerkstätten unter der Leitung bedeutender Künstler — Lebrunwar lange Zeit Direktor, Baudonin Yvard, Yan der Meulen,Bapt. Monnoyer u. a. waren als Maler, die Gebrüder Anguier,Coysevox , Tuby als Bildhauer, Audran, Rousselet, Ledereals Kupferstecher tätig — mit einem gewaltigen Stabe vonArbeitern : in der Teppichabteilung waren allein 250 Personenbeschäftigt, die Wunderwerke des Style Louis XIV. hervor-gegangen sind. (Obwohl eine Geschichte der Organisationdes Kunstgewerbes eine sehr dankbare Aufgabe für talentvolleLeute wäre.) Genug, daß hier einer der größten Luxus-konsume auch eine der größten Umwälzungen der gewerb-lichen Organisationen hervorgerufen hat, die dann auch fürdie Entwicklung des modernen Kapitalismus große Bedeutungerlangen mußte. Denn nach dem Yorbilde der Manufactureroyale des Gobelins entstanden überall, wo ein Zentrumdes Konsums von Luxusmöbeln war, kapitalistische Kunst-tischlereien. In Frankreich selbst haben wir in dem be-rühmten Unternehmen des Charles Boule wohl das erste Bei-spiel einer vollendeten Kunstmöbehnanufaktur. Boule, dermit seinen vier Söhnen die Arbeit organisierte und zunächstauch nur für den Hof, dann aber für die vornehme Gesell-schaft auch außerhalb des Hofes produzierte, stellte alleSorten Möbel in Bronze und Holz her, als Uhrgehäuse,Bureaux, Kommoden, Küchenschränke, Lüster, Truhen, Guö-ridons usw. Er war von 1672—1732 en vogue; 1720 (Süd-seeschwindel!) bezifferte sich der Wert der angefangenenStücke in seinen Werkstätten (die im Louvre lagen) auf80000 Liv. 257 .