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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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Money, ein beträchtliches Kapital, nicht zuletzt wieder wegender langen Zahlungsfristen, die der vornehmen Kundschaftzugestanden werden müssen. Denn die Kutschenbauer habennur mit dem Adel und Leuten von Rang (with none butNobilty and Quality) zu tun, bei denen es oft genug über-haupt nicht zum Bezahlen kommt.

Die Kutschenindustrie hatte übrigens gerade um jeneZeit in England einen großen Aufschwung genommen, da derAdel damals einen Stolz darein zu setzen begann, selbst zukutschieren:our nobilty and gentry even now taking Pridein driving themselves 2BS . Wo daher vor einem Menschen-alter ein paar Dutzend Kutschenbauer lebten (zehn oderzwölf in der City und nicht ganz soviel in den andern Stadt-teilen Londons ), haben jetzt die zu einer Gesellschaft zu-sammengeschlossenen Kutschenbauer ganze Straßeuzüge be-setzt 254 .

h) Die (Möbel-) Ti schler ei hat von jeher die Tendenzgehabt, die Schranken des Handwerks zu durchbrechen, so-bald sie anfing, Luxusgegenstände herzustellen. Wir findendeshalb frühzeitig z. B. in Augsburg im 16. Jahrhundertdie Luxustischlerei, diefürnehm arbeit macht, in einengewissen Gegensatz gestellt zu demgemainen handwerk.Während dessen Meister in der Regel nur einen, seit 1549zwei Gesellen beschäftigen dürfen, wurde in Fällen, in deneneine größerefürnehm arbeit anzufertigen war, um Dispensvon dieser Beschränkung nachgesucht 256 .

Im 17. Jahrhundert gestaltet sich dann die Luxus-schreinerei zu großbetrieblichen Formen aus, die zunächstnicht im kapitalistischen Rahmen sich entwickeln, sondernvom Königtum, vom Staate gepflegt werden. Vorbildlich füralle Kunstmöbelherstellung, bis zu den Vereinigten Werk-stätten in unseren Tagen, ist, wie allbekannt, die Manu-facture royale des Gobelins geworden, die Colbert zur Blütebrachte 256 . In ihr wurde alles erzeugt, was zur Ausstattung