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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

gezählt. Besser, wir gehen zum Schlüsse dieser Betrach-tungen noch den Gründen nach, die zu dieser in weitemUmfange einheitlichen Entwicklung der gewerblichen Pro-duktion geführt haben.

4. Die revolutionierende Kraft des Luxuskonsums

Was hat die Gewerbe, ehedenn die Technik es tat, in denKapitalismus hineingetrieben? Welches ist der Grund, wes-halb sich hier das Handwerk erhält, dort durch eine kapi-talistische Organisation ersetzt wird?

Die Vertreter der herrschenden Meinung antworten: diegeographische Ausweitung des Absatzes ist schuld daran, daßder Kapitalismus Macht über die gewerbliche Arbeit gewinnt,wie ich das oben schon dargelegt habe. Ich sage dem ent-gegen: viel bedeutender ist der Einfluß, den die Ausbildungeines starken Luxuskonsums auf die Organisation der gewerb-lichen Produktion ausübt. Sie ist es, die in sehr zahlreichen(nicht in allen!) Fällen dem Kapitalismus die Tore öffnet,damit er in die so wohl umfriedete Stadt des Handwerksseinen Einzug hält. Meine Ausführungen, denke ich, be-weisen die Richtigkeit meiner Ansicht.

Wollte man mir nun aber etwa einwenden: Du täuschestdich; jene Gewerbe, die du richtig als Luxusindustrien be-zeichnet hast, und die in der Tat am frühesten vom Kapi-talismus erfaßt werden, erleiden diese frühe Herrschaft nicht,weil sie Luxusindustrien, sondern weil sie Exportindustriensind. Denn diese Eigenschaft haben sie alle auch.

So würde ich antworten: Du irrst Freund. Du irrstzwiefach:

1. sind keineswegs alle kapitalistisch organisierten Luxus-industrien Exportindustrien. Ich erinnere an die Möbel-, dieKutschen-, die Teppich-Manufaktur, an die Luxusschneidereiund Schuhmacherei. Das ist alleslokale, sogar meistensin eminentem SinneKundenproduktion.