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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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2. sind keineswegs alle Exportgewerbe kapitalistisch.Das ganze Mittelalter hindurch hat es zahllose Handwerkemit interlokalem und internationalem Absatz gegeben. Undsolche Exporthandwerke haben sich bis in die neuere Zeithinein erhalten: noch im Anfang des 19. Jahrhunderts warendie Wollweberei in Yorkshire, die Leinenweberei in Schlesien ,die beide für den Weltmarkt arbeiteten, durchaus handwerks-mäßig organisiert.

Also kann die geographische Ausweitung des Absatz-gebietes doch nicht der entscheidende Grund sein, der in anderenGewerben den Kapitalismus zur Herrschaft kommen läßt.

Meine Ansicht, daß dieser entscheidende Grund die Aus-weitung des Luxuskonsums ist, daß also die namhaft ge-machten Gewerbe dem Kapitalismus anheimfallen, weil esLuxusindustrien sind, verteidige ich wie folgt:

Die Gründe, die ein Luxusgewerbe eher geeignet machenfür kapitalistische Organisation, liegen:

1. in der Natur des Produktionsprozesses. Fastimmer erheischt ein Luxusgut einen kostbaren Rohstoff^der häufig aus der Ferne bezogen werden muß.

Also: Bevorteilung des reicheren und des kaufmännischgebildeten Mannes: wenn die PariserFilaresses schonim 13. Jahrhundert für einen Mercier gegen Lohn Seidespinnen, die dieser dann in der Stadt verkauft, währendFlachs und Wolle Jahrhunderte später noch von Bauernineigener Regie verarbeitet werden: was für einen andernGrund hat die hausindustrielle Organisation in diesem Falleals den, daß nur der Mercier in den Besitz des teuren Roh-stoffs gelangt.

Meist ist aber auch das Verfahren, mittels dessen einLuxusgut hergestellt wird, kostspieliger als das, mit dem dasordinäre Gut verfertigt wird. Damals, heute gilt der Satznatürlich nicht! Man denke an die frühere Textilindustrie(Färberei! Appretur!); an Glas- und Porzellanfabrikation; an