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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

Teppichknüpferei oder Weberei; an Spiegelerzeugung; kurzan die meisten Prozesse der Luxusindustrien. Also abermals:Bevorteilung deskapitalkräftigen Mannes. Aber das Ver-fahren bei der Erzeugung von Luxusgütern ist nicht nur kost-spieliger: es ist meist auch kunstvoller, komplizierter, setztmehr Kenntnisse, mehr Überblick, mehr Dispositionstalentvoraus: Grund, weshalb die Tüchtigsten, in diesem Sinne:Besten aus der Masse herausgehoben werden, die mit ihrenGaben die Stellungen der neuen, vorwiegend zur Leitung undOrganisation berufenen Wirtschaftssubjekte allein auszufüllenvermögen. Die Vorzüge des Luxusgutes werden aber oftgenug nur erzielt, wenn auch der Arbeitsprozeß schon durchKooperation und Spezialisation auf eine hohe Stufe empor-gehoben ist: die kapitalistische Maßschneiderei liefert nurdarum Qualitätswaren, weil sie die hochwertige Arbeit destalentierten Zuschneiders für eine große Masse von Durch-schnittsschneidern nutzbar macht. Eine Dilferenzierung vonhochwertigen Leistungen ist aber nur möglich auf einerbreiteren Produktionsbasis, wie sie die von der kapitalistischen Unternehmung ins Leben gerufene Betriebsorganisation erstschafft.

2. liegen die Gründe, die die Luxusgewerbe eher als dieandern zum Kapitalismus treiben, in der Natur des Ab-satzes. Ich will den Gedanken nicht urgieren, dem wirschon begegnet sind und der unter dem Ancien rögimeoffenbar gang und gäbe war: daß nämlich die seigneurialeNonchalance beim Bezahlen häufige Verluste für den Pro-duzenten von Luxuswaren im Gefolge habe, jedenfalls abereine breitere Kapitalbasis nötig mache, als sie sonst er-forderlich wäre.

Wichtig dagegen scheint mir der Umstand, daß der Absatzvon Luxusgütern offenbar größeren Konjunkturschwankungenunterworfen ist als der von Massengebrauchsartikeln. DieGeschichte aller Luxusindustrien lehrt es uns: die Launen