1
Einleitung: Das doppelte Gesicht des
Krieges
Wenn man den Anfängen des modernen Kapitalismusnachspürt, und wenn man sich die äußeren Umstände ver-gegenwärtigt, unter denen er zur Welt gekommen ist, sokann es gar nicht ausbleiben, daß man seine Aufmerksamkeitden ewigen Händeln und Kriegen zuwendet, von denen dieZeit seit den Kreuzzügen bis zu den Napoleonischen Kriegenerfüllt ist: Italien ist während des späteren Mittelaltersebenso wie Spanien ein einziges Heerlager; England undFrankreich liegen 100 Jahre während des 14. und 15. Jahr-hunderts im Streite; im 16. Jahrhundert gibt es in Europa nur 25, im 17. Jahrhundert nur 21 kriegsfreie Jahre, also von200 Jahren sind 154 Kriegsjahre. Holland hat von 1568 bis1648 80, von 1652 bis 1713 36 Kriegsjahre: 116 von 145. Bisendlich in den Revolutionskriegen die europäische Menschheitihre letzte große Erregung durchlebt. Daß hier irgendeinZusammenhang zwischen Krieg und Kapitalismus bestehenmüsse, läßt eine einfache Besinnung als sicher erscheinen.
Und man hat ja denn auch oft genug solche Zusammen-hänge festgestellt. Aber soweit ich sehe: wenn man vonBeziehungen zwischen Kapitalismus und Militarismus sprach,hat man doch nie an die Wirkungen gedacht, die der Kapi-talismus auf die Politik der Völker ausgeübt hat, hat manimmer nur die Kriege als die Folgen der kapitalistischen Ent-wicklung angesehen.
Was sie denn zweifellos auch in weitem Umfange sind.Es ist kein Kunststück, in einem großen Teile der Kämpfe,