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Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges
die die italienischen Republiken untereinander oder mit denMächten am Bosporus ausfochten, ebenso wie dann späterin den Kriegen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts „kapita-listische“ Interessen als Triebfedern aufzudecken. Es sindKämpfe um den Futterplatz — ganz gewiß.
„Was 1556—1559 den Franzosen mißlingt, glückt denNiederländern in ihrem ,Befreiungskriege 1 (1568—1648):Spaniens Kolonialmacht, seine Welthandelssuprematie zubrechen, die Entwicklung seines nationalen Wirtschaftslebenszum Stillstand zu bringen: der Kapitalismus verlegt seinHauptquartier in die Niederlande. Kaum hier angelangt, be-gegnet er sofort wieder neidischen Nachbarn, die seiner Ent-wicklung mit scheelen Augen Zusehen; Cromwell eröffnet denKampf mit den Niederlanden: 1651 Navigationsakte, 1652 bis1654 Handelskrieg. Mit England verbündet kämpfen 1672bis 1678 Frankreich und Schweden gegen die aufblühendenNiederlande. Dann wird eine Zeitlang Frankreich das führendekapitalistische Land; einen Augenblick scheint es, als ob sichder französische Handel mit dem spanischen Kolonialbesitzvereinigen wolle. Aber schon erscheinen die Neider: Deutsch-land, Holland, England führen 1688—1697 den Koalitions-krieg gemeinsam gegen das mächtig aufstrebende Frankreich, dem im spanischen Erbfolgekriege (1701 — 1714) Holland undEngland den Erwerb der spanischen Kolonien mit Erfolgstreitig machen. Endlich ringen als letztes und stärkstesPaar miteinander Frankreich und England (1756—1763). Eng-land geht als Sieger aus diesem Kampfe hervor und begründetdamit seine Suprematie auf dem Weltmärkte.“
Gewiß. Und es hat Zeiten gegeben, in denen man stolzwar, wenn man irgendeinen großen Krieg, wie irgendein anderesgroßes Ereignis der Weltgeschichte, wieder einmal in seinerökonomischen Bedingtheit erkannt hatte.
Aber diese „materialistische Geschichtsauffassung“ mußdoch nun aufhören, uns als einziger Wegweiser zu dienen.