6
Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges
Damals hatte Piemont 1200000 Einwohner!
Sehr nachhaltig sind aber die ungünstigen Folgen fürdas Wirtschaftsleben wohl nicht gewesen, die sich aus solchenZerstörungen ergaben. Und es zeugt von geringer Kenntnisder Tatsachen, wenn man den Dreißigjährigen Krieg in ersterLinie für den ökonomischen Kückgang Deutschlands und seinelang andauernde Rückständigkeit verantwortlich macht. Frank-reich hat im 16. und 17. Jahrhundert mehr als einen dreißig-jährigen Krieg erlebt und war am Ende des 17. Jahrhundertsdie erste Handels- und Industriemacht Europas .
Aber der Krieg hat mehr zerstört als Dörfer und Saaten.Und sein hemmender Einfluß auf den Gang des Wirtschafts-lebens reicht viel weiter, als selbst die jämmerlichsten Elends-schilderungen vermuten lassen. Das begreifen wir aber nur,wenn wir die vorhin schon empfohlene Ausrichtung des Problemsvornehmen, wenn wir sehr genau fragen: welche Bedeutungder Krieg für die Entwicklung des kapitalistischen Wirtschaftssystems gehabt habe. Da finden wir näm-lich, daß er zweifellos dessen Entfaltung zurückgehalten hat.Daß er für den Kapitalismus also eine Hemmung bedeutetin mehr als einer Hinsicht.
Ich denke gar nicht einmal an die Vernichtung schonvorhandener kapitalistischer Gebilde, wie sie gewiß häufiggenug die Folge des Abbruchs von Handelsbeziehungen oderdie Folge übermäßigen Steuerdruckes und anderer durch denKrieg bedingter Lasten oder die Folge unsicherer Transport-verhältnisse oder die Folge von Staatsbankerotten war. Undwill nur für jede dieser Störungsweisen ein besonders charakte-ristisches Beispiel anführen:
Frankreich exportierte nach Holland
1686 für 72 Mill. 1., darunter für 52 Mill. 1. Industrieerzeug-nisse,
1716 nur noch für 30,7 Mill. 1. insgesamt und für 2338000 1.gewerbliche Produkte 3 .
Wie soll man Handel treiben, klagen die spanischen Cortes im