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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 9

In Holland :

Die ewige Klage, daß niemand sein Geld in den Kaufhandel, dieGewerbe und den Ackerbau stecken will, daß alle in träger Muße reichwerden wollen und darum ihr Geld im Auslande anlegen n . u

Und die Geschichte lehrt uns, daß jene Männer richtigbeobachtet hatten. Seit dem Mittelalter, seit die Städte undFürsten zu borgen anfingen, galt es für alle Leute, die Er-sparnisse gemacht hatten, als ausgemacht, daß sie ihr Geldzunächst in Darlehen an die Fürsten und Städte anlegten.Solange die Schulden noch persönliche waren, brachten bloßdie Reichen ihr Geld den Königen (ihr Geld, das freilichauch zum Teil schon aus Depots zusammengeflossen war, wiees uns Y i 11 a n i von den Geldern berichtet, die die Bardiund Peruzzi dem Könige von England dargeliehen hatten).Dann als die Anteilsschuld, und zumal als die unpersönlicheSchuld aufkam, strömten auch die Spargroschen der kleinenLeute in die öffentlichen Kassen.

1353 und 1398 wurden Häuser in Venedig verkauft, ummit dem Erlös Anteile an den Staatsschulden zu erwerben 12 .

Über den Zulauf, den der grand parti des Königs Heinrich II.im Jahre 1555 hatte, schreibt ein Zeitgenosse:Gott weiß, wiedie Gier nach diesen übermäßigen Gewinnen ... die Menschenanreizte: jedermann lief herbei, um sein Geld in dem grandparti anzulegen, bis herunter zu den Dienstboten, die ihreErsparnisse hinbrachten. Die Frauen verkauften ihren Schmuck,die Witwen gaben ihre Renten hin, um sich an dem grandparti zu beteiligen, kurz man lief dorthin, als wenn dasFeuer dort sei 18 .

Um einen Begriff von den gewaltigen Beträgen zu geben,die auf diese Weise der Kapitalbildung (zunächst! das heißtauf direktem Wege!) entzogen wurden, teile ich hier dieSummen der Schulden mit, die die wichtigen Stadt-Staatenund Großstaaten seit dem Mittelalter bis zu Beginn des19. Jahrhunderts aufgenommen haben.