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Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere
(wie die Dampftechnik die Manufaktur zur Fabrik über-geführt hat).
Ursprünglich aber ist die Form des Massenheeres freivom modernen Fürsten geschaffen worden, um seinem innerstenWesen Ausdruck zu verleihen: nur in ihm lag die Möglichkeiteiner raschen und unausgesetzten Ausweitung eingeschlossen.In der Differenzierung zwischen leitender und ausführenderArbeit, in der dadurch bedingten mechanischen Übertragungder Fertigkeiten lag die Gewähr, in kurzer Zeit eine beliebigeMasse ungeschulter Menschen zu tüchtigen Kriegern heran-zuhilden. In dem Maße natürlich, wie der taktische Erfolgimmer mehr auf der Massenwirkung aufgebaut wurde, wasin steigendem Umfange der Fall war mit dem Eindringender Feuerwaffen, wuchs der Zwang zur Vergrößerung derHeere, von deren Umfang (bei sonst gleichen Umständen derAusbildung, Ausrüstung usw.) die Größe der Macht des Staatesnunmehr abhing.
So ergibt sich uns wie von selbst als eine letzte, fürunsere Erkenntniszwecke die bedeutsamste Eigenart desmodernen Heeres: die ihm innewohnende Tendenzzur Expansion, die kein Feudalheer und kein Bürgerheergekannt hat und kennen konnte. Ja, das moderne Heer istvielleicht die erste Stelle, wo sich der Gesellschaft dasdynamische Streben nach Ausweitung und Anderssein be-mächtigt, das das alte statisch-ruhige Verhalten der mittel-alterlichen Welt ablöste und unsere gesamte Kultur ja sovon Grund aus umgestürzt hat. Die damit verbundenenquantifizierenden Tendenzen, die dann ihre stärkste Entfaltungim Kapitalismus finden, treten ebenfalls hier zuerst in denmodernen Heeren auf.
Das Unendlichkeitsstreben des modernen Fürsten findetebenso seinen Ausdruck in der Vermehrung der Truppen wiedas Unendlichkeitsstreben des kapitalistischen Unternehmersin der Vermehrung einer Geldsumme. Heeresvergrößerung