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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 31

liegt, dessen eingehende Erörterung wohl die Mühe lohnenwürde.

Das Vorbild dieser neuen Massenheere waren die Schweizer Volksheere des 14. Jahrhunderts gewesen; später hatten wohlhumanistische Studien den Blick zurück auf die Massenheereder Griechen und Römer gelenkt; ich denke an die kriegs-geschichtlichen Schriften Macchiavellis oder an die Legionendes ersten Franz von Frankreich . Aber sicherlich hätte dasmoderne Fürstentum diese Form der Heeresbildung aus sichselber heraus erzeugt, auch ohne alle Vorbilder, just wie dermoderne Kapitalismus mit zwingender Notwendigkeit diegroßbetrieblichen Formen der Arbeitsorganisation aus sichund seinem innersten Wesen heraus entwickeln mußte, weildiese äußeren Erscheinungsformen in ihnen seihst eingeschlossenlagen.

Das moderne Fürstentum mußte das differenzierte Massen-heer aus sich heraus erzeugen, weil dieses allein den ihminnewohnenden Drang nach Ausdehnung, nach Machtentfaltunggerecht wurde. Die Waffentechnik mag dabei mitgesprochenhaben. Aber eine primär wirkende Ursache ist sie bei derHerausbildung der modernen Heeresorganisation nicht gewesen(ebensowenig der Vergleich drängt sich unwillkürlich immerwieder auf wie hei der Herausbildung der großbetrieblichenFormen im Rahmen des kapitalistischen Wirtschaftssystems).Die taktische Einheit des Gevierthaufens, in dem das moderneMassenheer zuerst in die Erscheinung tritt, hat zur waffen-technischen Grundlage die Pike und hat erst stark umgeändertwerden müssen, um das Schießen mit Feuerwaffen zu er-möglichen. Dann hat später natürlich die Feuerwaffentechnikmit ihrer monoton-mechanischen Wirkung die Organisationdes Massenheeres gefestigt, hat dieser gleichsam den auto-matischen Zug eingeprägt und hat die ehedem rein aus freiemEntschlüsse gebildete Formation zur Notwendigkeit gemacht