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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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36 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere

über die Jahresmanöver einer stehenden Flotte. Und vomStaate Genua wissen wir genau 40 , daß er jedenfalls im 13. Jahr-hundert selbst Kriegsschilfe besaß, und zwar nicht nur gekaufte,sondern in seinem Aufträge für ihn gebaute. Auch in Venedigreicht die Kunde von eigenen Schiffen und sogar eigenenWerften der Republik weit bis ins Mittelalter zurück.

Auch die Verstaatlichung der Kriegsmarinereicht viel weiter zurück als die Verstaatlichung der Land-heere. Es scheint hier (ich sehe den Zusammenhang nichtdeutlich) die strafrichterliche Gewalt des Königs die Brückegebildet zu haben zwischen den selbständigen Schiffsmann-schaften und der Oberhoheit des Königs.

In England untersteht schon unter Eduard III. die ge-samte Flotte dem Befehle des Königs: die Kapitäne derSchiffe (wenn sie keine besondere Ermächtigung dazu besaßen)hatten nicht das Recht, die Seeleute abzustrafen. So bestimmtes das Black Book of Admiralty, dessen Entstehungszeitwahrscheinlich vor das Jahr 1351 fällt 60 . Die Grundlage derzur Erhaltung und Verwendung der stehenden Seekriegsmachtbestimmten Gewalten bildet sich während des Mittelalters inEngland an dem Amte des Lord High Admiral aus. DiesesAmt begegnet uns zuerst im 14. Jahrhundert; von 1405 anist eine ununterbrochene Reihe von High Admirals bekannt.Es waren die Großbeamten für die laufende Verwaltung(Government) der Marine. Manche 51 datieren diestehendeFlotte in England vom Jahre 1512 an, dem Jahre, in demHeinrich VIII. das Marineamt einrichtete, und von dem aner eine größere Anzahl starker Schiffe dauernd zu seinerVerfügung hielt (was doch aber dieser König nicht als erster tat).Sicher ist, daß seitdem die Zahl der Königsschiffe rasch wächst(ohne daß die Verwendung der Privatschiffe aufhörte), unddaß die Verwaltung stärker zentralisiert wird.

Ähnlich wie in England ist die Entwicklung in Frank-reich. Aufgebot, Chartersystem, Königsschiffe nebeneinander*