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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere

Man hat ausgerechnet, daß in den Jahren zwischen 1792und 1816 in England 52 Mill. äß Agiogewinne an Kriegs-anleihen gemacht worden sind 98 .

Die Fugger und die Rothschild, die beide ihren Reichtumdem Kriege verdanken, stellen die beiden Formen dar, indenen dieser Reichtum gebildet werden konnte; man könntesie als die deutsche und die jüdische einander gegenüber-stellen : die direkte Darlehnsgewährung und die börsenmäßigeAnleiheemission: Auge in Auge, persönlicher Kredit dorthinter dem Rücken desPublikums, unpersönlicher Kredit hier.

Damit berühre ich aber schon den Punkt, wo zum anderendie Aufbringung der Kriegsmittel von ganz großer Bedeutungfür die Herausbildung des Kapitalismus geworden ist, sofernnämlich

2. sie die Kommerzialisierung des Wirtschafts-lebens befördert hat. Die ersten Weltbörsen im 16. Jahr-hundert sind unmittelbar aus dem Handel mit öffentlichenSchuldtiteln entstanden, wie uns das Ehrenberg so an-schaulich geschildert hat. Durch die Entwicklung des öffent-lichen Anleihewesens ist dann die Effektenbörse zu ihrer vollenEntfaltung gelangt. Der Effektenhandel und die Effekten-spekulation haben sich allerdings zuerst entfaltet an denAktien der großen Überseehandelsgesellschaften. Aber immerwar der öffentliche Schuldtitel daneben von Bedeutung ge-wesen. Unter den 44 Effekten, die in der Mitte des 18. Jahr-hunderts an der Amsterdamer Börse notiert wurden, waren25 Sorten inländischer Anleihen und 6 deutsche Anleihesorten.Bis zum Ende des Jahrhunderts stieg die Zahl der inländischenObligationen auf 80, die der deutschen auf 30. Dann aberbeginnt erst recht der Tanz. Emission folgt auf .Emissionseit dem Ausgange des 18. Jahrhunderts (natürlich: siehe dieZiffern, die ich über die Zunahme der Staatsschulden obenmitgeteilt habe). Wenn bis 1770 an der Amsterdamer Börse seit ihrem Bestehen für 250 Mill. fl. Anleihen aufgenommen