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Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere
aus Gußeisen 31 aus Schmiedeeisen) 15 °, ist nicht zu ermitteln.Es ist wahrscheinlich. Obwohl auch das Gießerhandwerk(Glockengießerei!) seit langen Zeiten bestand, der Guß einerKanone sehr wohl also auch im Kähmen des Handwerks er-folgen konnte.
Aber Menge und Art der verlangten Waffen mußten dochim Laufe der Zeit das alte Waffenhandwerk zersprengen.(Daß es nicht die geographische Ausweitung des Absatzeswar, die dem Handwerk gefährlich wurde, zeigt das Beispielder Waffenindustrie besonders deutlich. Wie in so vielenFällen fällt auch hier die Entwicklung zu kapitalistischenFormen der Produktion mit einer Tendenz zu deren Lokali-sierung und Nationalisierung zusammen. Das Absatzgebietdes mittelalterlichen Waffenhandwerks ist jedenfalls nichtbeschränkter gewesen als das der kapitalistischen Waffen-industrie.) Quantum und Quäle des neuen Bedarfs führteden Niedergang des Handwerks herbei. Freilich, in gewissenGrenzen erhielt sich die handwerksmäßige Waffenerzeugungnoch jahrhundertelang, wie sie sich wohl bis in unsere Zeithinein erhalten hat. Die Klingenschmiede von Toledo undBrescia bewahren ihren Ruf als individualisierende Hand-werker, und noch im 17. Jahrhundert gibt es eine große Mengepersönlich zeichnender Büchsenschmiede in allen LändernEuropas, vornehmlich in Frankreich 161 .
Aber das blieben die Ausnahmen. Die große Masse derWaffenproduktion ging dem Handwerk verloren, das wederso große Mengen, so rasch und so einheitlich wie verlangtwurde, liefern konnte, noch den Anforderungen der fort-schreitenden Technik, wenigstens was die Feuerwaffen angeht,gerecht zu werden vermochte. Ganz besonders galt das vondem Gewehr. Die alte Knallbüchse ohne Schäftung konnteallenfalls jeder Handwerker allein ohne wesentliche Hilfemachen. Ganz andere Ansprüche aber stellten die neuenBüchsen mit ihren langen, ausgebohrten und polierten Rohren,