IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs
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gleich geblieben waren: das waren also vor allem die blankenWaffen und auch ein Teil der Sehutzwaffen. (Die stählerneRüstung schrumpfte zwar stark zusammen, erhielt sich abernoch jahrhundertelang in Gestalt von Arm- und Beinschienenund namentlich als Küraß.) Für die Herstellung dieser Waffen-gattungen hatte sich im Laufe der Jahrhunderte ein blühendesHandwerk entwickelt: die Harnischmacher, Schwertfeger,Klingenschmiede usw., die je an bestimmten Orten zu be-sonderen Leistungen sich differenziert hatten: die NamenToledo, Brescia, Nürnberg, Solingen, Lüttich klingen unssofort im Ohre, wenn wir jener Waffenhandwerker des Mittel-alters gedenken. Als die Feuerwaffen aufkamen, wurden sievielfach an diesen selben berühmten Mittelpunkten der Waffen-industrie in derselben handwerksmäßigen Weise hergestellt.Die Zunft, die sich dieser Produktion bemächtigte, waren dieBüchsenmeister. Selbst die Kanonen scheinen in den An-fängen von kleinen Handwerksmeistern einzeln gefertigt zusein, die man in Frankreich Canoniers, ouvrier en canons,bei uns wohl auch Büchsenmeister oder Feuerwerker nannte.Denn anderes als schlichte Handwerker sind offenbar die inden flandrischen Staatsrechnungen genannten Lieferanten vonKanonen im 14. Jahrhundert nicht.
1379 werden Guill. Parools für 2 Kanonen 72 livres bezahlt;
1402 an Pierre Chauvin, „ouvrier en canons“, für 13 Kanonen usw.Aus den Comptes et recettes generales de Flandre. Arch. de Lille.Rapp, de M. Gachard. Bei M. Guillaume, Org. mil. (1847), 75.
„Payd ä Jacot Adam, canonier demeurant ä Damme,
pour un gros canon etc. 672 liv.“
„Paye ä Jacques Katelare, canonier demeurant äBruges,
pour 5 canon en fer . 444 liv. 10 s.“
usw.
Compte de J. Abonnel, fol. 55, 183 etc. A. 1431 1. c. 100.
Ob es sich in diesen Fällen um schmiedeeiserne Kanonengehandelt hat, die in den ersten Anfängen des GeschützwesensVorkommen (noch im 16. Jahrhundert finden sich in dem In-ventar eines spanischen Schiffes neben nur 10 Geschützen