III. Die Deckung des wachsenden Waffen!)edarfs 93
mit Rad- oder Schnapphahnschloß, mit Ladestock und Holz-schäftung. Die sachgemäße Anfertigung eines solchen Ge-wehres setzte eine weitgehende Spezialisation der Arbeits-verrichtungen und einen ausgedehnten Apparat von Arbeits-maschinen und Werkzeugen voraus. Zunächst wurde demBüelisenschmied die Herstellung der sogenannten Platinen,der Bleche, aus denen man die Rohre schmiedete, abgenommenund den Reck- oder Zainhämmern, die man wohl auch Pla-tinenhammer nannte, wenn sie sich hauptsächlich mit der An-fertigung von Platinen befaßten, zugewiesen 162 . Eine Zeit-lang schmiedete dann der Büchsenmacher die ganze Büchse zuEnde, bis auch in diesem Teile des Arbeitsprozesses dieSpezialisation um sich griff, die bis zum Ende des 18. Jahr-hunderts bis zu einer Zerlegung der Gesamtarbeitsverrichtungenin etwa 12 Teilverrichtungen fortgeschritten war. Schon im16. Jahrhundert hören wir, daß leichtere Arbeiten bei derGewehrfabrikation von Frauen besorgt wurden. Damit waralso das Gewerbe auch aus technischen Gründen für denKapitalismus reif.
Die Betriebsformen, deren sich der Kapitalismus bei derAufsaugung (oder aber Ausweitung) des Waffenhandwerksbediente, waren das Verlagssystem und der Großbetrieb.
Wir dürfen annehmen, daß die Kaufleute, die den altenhandwerksmäßigen Waffenschmieden ihre Erzeugnisse ab-genommen hatten, um sie auf den Märkten und Messen feil-zuhalten, die Organisatoren der kapitalistischen Waffen-industrie namentlich dort wurden, wo sie uns als Haus-industrie entgegentritt. Das interessanteste und bedeutendsteBeispiel dieser Entwicklung des alten Waffenhandwerks zumVerlagssystem bietet die Waffenindustrie von Suhl 168 , die früh-zeitig berühmt wurde und vor der Zerstörung Suhls durch Tillywohl die bedeutendste in Europa war: die größte Blüte Suhls fällt in die Zeit zwischen 1500 und 1634. Wir haben einepoetische Schilderung der Suhler Industrie vom Jahre 1600 aus