90 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere
Daneben entstehen namentlich für die Erzeugung derGewehre Fabriken, und zwar häufig als Staatsbetrieb. Diewichtigsten staatlichen Waffenfabriken in Deutschland lagenin Spandau, Potsdam, Neustadt-Eberswalde .
Im 16. Jahrhundert war Deutschland neben Italien dasführende Land in der Waffenindustrie. Wir sehen deshalbdie übrigen Länder ihren Bedarf größtenteils in Deutschland und Italien decken.
So England , dessen Nachfrage nach Waffen vor allem seitHeinrich VIII. immer reger wird 166 .
1509 verkauften Luigi de Fava und Leonardo Frescobaldi „große Vor-räte“ von Kriegswaffen an die englische Krone;
1510 läßt sich Heinrich durch Pier di ca Pesaro eine Ausfuhrerlaubnisfür 40 000 Bogen aus Venedig erwirken;
1511 werden an Luigi und Alessandro de Fava für 500 Arkebusen200 £ gezahlt;
— in demselben Jahre entsendet Heinrich VIII. Richard Jerninghamund zwei andere Edelleute nach Deutschland und Italien, umWaffen und Kriegsgeräte zu kaufen;
1513 berichtet Jerningham, daß er einen sehr vorteilhaften Handelin deutschen Rüstungen (Almain rivets) für 5000 Fußsoldaten inMailand abgeschlossen habe;
— um dieselbe Zeit hat Heinrich durch Wolsey mit einem FlorentinerKaufmann Guy de Portenary für 2000 Almain rivets abgeschlossen;
1544 fragt Heinrich beim Dogen von Venedig an wegen Ankaufs von1500 Arkebusen und 1050 Rüstungen für Mann und Roß zu Brescia.
Heinrichs lebhaftes Bemühen war aber darauf gerichtet,England in dem Bezug von Waffen vom Auslande unabhängigzu machen und Waffenfabriken im eigenen Lande zu gründen.Zu diesem Behufe rief er — dem Brauche der Zeit folgend —deutsche, französische, brabantische und italienische Waffen-schmiede ins Land 157 , die offenbar gleich auf großbetrieblicherBasis eine englische Waffen-, insonderheit Gewehrindustrieaufbauten. Jedenfalls erfahren wir aus der Mitte des 18. Jahr-hunderts, daß mittlerweile die englischen Gewehrfabriken diebestorganisierten Europas geworden waren.
Von dem Stande der Gewehrfabrikation um jene Zeit ent-