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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
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IV. Die Deckung des wachsenden Waffenhedarfs 97

wirft uns ein sehr guter Kenner gewerblicher Verhältnissefolgendes Bild 158 :

Wenn jemals nöthig ist, Fabriken in großen zusammen-hängenden Anstalten anzulegen; so ist es am meisten beydenen Gewehrfabriken nothwendig. Die Gewehre bestehenentweder aus vielerley Stücken, oder es müssen vielerleyArbeiten daran geschehen. Eine lange Erfahrung hat ge-zeiget, daß die Arbeiten, sonderlich im Feuer, viel schleunigerund geschickter von statten gehen, wenn einige Arbeiter nichtsals diese, und andere nur jene besondere Arbeit verrichten,und einander gleichsam in die Hände arbeiten, wie solchessonderlich in Engelland bey denen Gewehr-Fabriken gebräuch-lich ist, daher auch die engländischen Waaren vor anderneinen großen Vorzug haben. Ueberdieß kann die Arbeit indenen Gewehrfabriken durch Maschinen und andere Anstalten,die große Kosten erfordern, und also nicht eines einzelnenMeisters Sache sind, sehr erleichtert werden. Der Staat kannauch von der Güte und Gleichheit des Gewehres vor seinKriegsheer um desto mehr versichert seyn, wenn alles untereinerley Aufsicht gearbeitet wird. Auch dieses hat man ein-gesehen, und die Gewehrfabriken allenthalben in großen An-stalten angelegt.

Aus der nun folgenden Beschreibung ersehen wir deut-lich, daß die Gewehrindustrie damals bereits das Stadium derManufaktur überwunden hatte und fabrikmäßig organisiertwar. Hätte Adam Smith an dieser führenden Industrie,statt an der unglücklichen Stecknadelmanufaktur, seine Vor-stellungen von der Organisation der Arbeit gewonnen, so hätteer schon damals die Gründe für die Steigerung der Arbeits-leistungen im gesellschaftlichen Großbetriebe richtig erkannt,und die Lehre von der Produktivität der Arbeit wäre nichtfür die nächsten hundert Jahre auf ein totes Geleise gefahrenworden.

Auch in den übrigen Militärstaaten Europas entwickelte

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