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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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98 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere

sich die Waffenindustrie zu einer der ersten Industrien desLandes.

In Frankreich gründete Colbert selbst mehrere staat-liche Gewehrfabriken, und auch Private betrieben dies Ge-werbe auf breiter kapitalistischer Basis: M. de Seignelay (16831690) verlieh den Adelstitel einem Fabrikanten inAngoumois dafür, daß er mindestens 1000 Flinten monatlichlieferte 159 . Im 18. Jahrhundert gibt es zahlreiche Gewehr-fabriken in Frankreich. Die berühmteste war die imHotelde la maison du Roi. Sedan, St. Etienne, Verdun undandere Orte waren Sitze einer blühenden Waffenindustrie.

In Schweden gelangte die Waffenindustrie im 17. Jahr-hundert, dank vor allem dem Bemühen Gustav Adolfs, zurBlüte. 1618 legt der KönigGewehrfaktoreien an 160 , umdas auf den Bauernhöfen betriebene Schmiedegewerbe aus-zunutzen: jeder dieser Bauern war verpflichtet, wöchentlicheine große Muskete fertigzustellen; er erhielt dazu das Materialvon der Krone, war abgabenfrei und wurde teils in Geld, teilsin Naturalien bezahlt. Aus diesenFaktoreien entwickelnsich die Gewehrfabriken, so 1626 die voü Norrtelje. 1640werden in einer Stockholmer Fabrik 10000 Musketen mitLunten, 141 mit Schnapphahn und 12000 Gabeln gefertigt.

Den Typus der SuhlerWaffenfabrik vertritt die seitdem 17. Jahrhundert zu hoher Bedeutung gelangende Waffen-industrie von Lüttich und Umgebung, die das Rückgratder belgischen Industrie seit jener Zeit gebildet hat 161 .

In Rußland dagegen tritt die Waffenfabrikation sofortauf höehstbetrieblicher Basis in die Erscheinung (vorbildlicheFabrik- bzw. Manufakturorganisation!): in der SestroröckerGewehrfabrik waren 683 Arbeiter zur Zeit Peters des Großenbeschäftigt; der Staatsgewehrfabrik in Tula wurden 508 Bauern-familien zugeteilt 162 .

Andere berühmte Gewehrfabriken staatlichen Charaktersgab es in Klingenthal im Elsaß, Kopenhagen , Elkistuna.