Druckschrift 
2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs

99

Spanien war ja im 16. Jahrhundert vielleicht der ersteMilitärstaat Europas. Sein Bedarf an Waffen war bedeutend.Er wurde teils durch Fabriken, teils durch Hausindustrien,teils im Inlande, teils im Auslande gedeckt. Die Abschlüsseerfolgten mit Kaufleuten oder Unternehmern in ganz großemStil. Für die Lieferung von Arquebusen (arca buces) liegenaus dem Jahre 1538 Verträge vor mit Juan de Becinay über10000 Stück; mit Juan Ibänez aus Piacenza; mit Antön deUrquiroz aus Orio; mit Juan de Orbea und mit Juan deHermüa aus Eibar, über 15000 168 .

Spaniens eigene Gewehrfabriken lagen in Cordova, Barce-lona und Helgoybar.

Sehr früh hat eine fabrikmäßige Organisation die Ge-schützgießerei erfahren, zunächst als Bronzegießerei, dannimmer mehr als Eisengießerei (wie die Statistik, die ich imvorigen Abschnitte mitgeteilt habe, ausweist). Die höchsteStufe der Entwicklung erreichte sie in England, Frankreich und Spanien.

In England war im 16. und 17. Jahrhundert der Haupt-sitz der Geschützgießerei (wie auch der Eisenhüttenindustrie)Sussex. Hier saßen, wie uns Cambden berichtet 164 , zahl-reichemetallici, qui magnam vim tormentorum majorum etalia inde conficiunt. 1603 singt Walther Kaleigh der eng-lischen Geschützgießerei ein Loblied 165 . Welche Ausdehnung undBedeutung sie hatte (eine Produktionsstatistik fehlt natürlichfür jene Zeit; wir müssen also auf die Größe der Leistungenaus Symptomen schließen), zeigt folgender Vorgang 166 : 1629beauftragt der König Sir Sackville Crowe, sich 610 eiserneKanonen in der Königlichen Gießerei, focali nostro, in unsermWalde von Dean in Glocestershire zu verschaffen. Der Königbeauftragt dann weiter Philipp Burlamach, an eminent mer-chant, diese Kanonen an die General Staaten zu verkaufen,um damit seine für 300000 SS im Jahre 1625 verpfändeten

Kronjuwelen wieder einzutauschen:Thus England was still

7 *