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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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-[22 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere

hunderts in den meisten Staaten eine Art von gemischtemSystem heraus, das ziemlich einheitlich auf folgenden Grund-sätzen beruhte: der Staat verpflegt den Soldaten ganz aufdem Marsche und im Felde; in der Garnison überläßt er esim wesentlichen dem einzelnen, wie er sich für den Geldsold,den er empfängt, beköstigt. In den einzelnen Staaten wirddieser oder jener Bestandteil des Unterhalts dem Soldatenvom Staat oder vom Quartiergeber (in Gestalt des sogenanntenServis) in natura verabreicht.

In der Instruktion vom 29. Juni 1620, die für den chursächsischenProviantmeister von Zscheppelitz erlassen wurde, lieißt es im Eingang 222 :Unser bestallter Übristen- (alias General-) Proviantmeister soll dasKriegsvolk im Felde zu jeden Zeiten mit allerlei Proviant versehen.Die Friedensverpflegung liegt dem Krieger ob. Dieser erhält nur alsServis vom Quartiergeber: Obdach, Salz, Pfeffer, Essig und Licht.Sächsische Verpflegungsordnung vom 1. März 169 7 223 .

In den kaiserlichen Landen bat der Soldat von 1679 an sein Essenbeim Quartiergeber zu kaufen; der Quartiergeber liefert ihm in naturaeine Portion Brot, wofür Abzug am Lohn gemacht wird.

ln Preußen bekommt der Kompagniechef für Löhnung, Werbung,kleine Montierung usw. eine feste Geldsumme, die er beliebig verwendenkann; er muß nur durch Musterung richtige Verwendung nachweisen.1713 wird der Monatssold der Gemeinen auf 2 Tlr. 6 Sgr. erhöht; davonverbleiben dem Soldaten nach dem Abzug für gemeinsame Kassen 1 Tlr.16 Gr.: das ist der Betrag, den er für seinen Unterhalt ausgeben kann.Im Frieden erhält der Soldat außer auf Märschen keine Naturalverpflegung(auch kein Brot); diese tritt ein außerhalb der Garnisonen und im Kriege.

In Frankreich bestimmt die Ord. von 1641: der Staat sorgt fürdie Verpflegung des Kriegers auf dem Marsche und im Felde; diesererhält alsdann 2 Pfd. Brot am Tag, 1 Pfd. Fleisch und 1 Pinte Wein.In der Garnison liefert der Staat nur das Brot, wofür er 1 Sous pro Tagvom Solde abzog.

Sobald der Staat irgendwelche Fürsorge für den Unter-halt des Soldaten übernahm, also namentlich sobald er ihmdas Brot sei es immer, wie in Frankreich , sei es zuzeiten,wie in den meisten deutschen Staaten lieferte, mußte erfür Bereithaltung von Vorräten, insonderheit also wieder fürAufstapelung von Getreide sorgen.

Das geschah dadurch, daß er möglichst über das ganze

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