I. Die Verpflegungssysteme
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konnte es nickt ausbleiben, daß der Fürst auf die Idee verfiel,nachdem er sein Heer verstaatlicht hatte, nun auch das ge-samte Verpflegungswesen zu verstaatlichen. Es scheint, als obdas System der Verpflegung der Truppen durch denStaat zu voller Entwicklung zuerst in Spanien während des17. Jahrhunderts gelangt sei. Von hier fand es Verbreitungauch in anderen Staaten, wie in Brandenburg-Preußen. Hiersehen wir es bis zur Zeit des Großen Kurfürsten in der Formder „Speisung“, d. h. der Verpflegung durch den Quartierwirtin Übung.
Einer der besten Kenner der „alten Armee“ gibt folgendes Bildvon der Art und Weise, wie die Truppen unter Georg Wilhelm unter-halten wurden 221 :
„An Löhnung (Lehnung) erhält der Musketier alle 10 Tage1 Taler, wovon er leben muß. Sie wird oft zum Teil oder ganz inLebensmitteln oder durch ,Speisung 1 , d. h. Verpflegung durch dieQuartierwirte ersetzt. Der Ausdruck ist daher häufig mißverstandenworden. Die drei Löhnungen sind Abschlagszahlungen auf denmonatlichen Sold (1631 auf die Kompagnie 1300 Tlr.), von dem außer-dem Gewehr, Kleidung, event. auch Pferdehaltung, kurz die ganzeKompagniewirtschaft zu bestreiten ist. Der verbleibende Betragwurde meist zunächst einbehalten (1631 also 600 Thlr.) und dient späterzur Gegenrechnung für die vom Staate gelieferten Waffen, für über-hobene Zehrung, Erpressungen usw. Der Ausdruck Traktament ist all-gemein und bedeutet nach Umständen Sold oder Löhnung. Ganz zutrennen ist für Georg Wilhelms Zeiten der Servis (Holz, Licht usw.),den der Quartiergeber leistete oder in Geld ablöste.“
Dieses System der vollen Verpflegung durch den Staathielt sich jedoch nicht lange. Die Schwierigkeiten der Durch-führung, die damit für die bequartierten Gegenden verknüpftenUnzuträglichkeiten bestimmten schon den Großen Kurfürstendazu, die Speisung der Armee wieder zu beseitigen, die Geld-zahlung wieder an die Stelle zu setzen. Friedrich Wilhelm I suchte noch mehr die fiskalische Naturalverwaltung zu be-schränken: die Regimenter, Kompagnien und die einzelnenauf feste Geldeinnahmen zu setzen, mit denen sie auskommenmußten. So bildete sich im Laufe des 17. und 18. Jahr-