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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere

der Jahrhunderte zwei Systeme angewandt worden: eins, dasman das französische nennen kann, hei dem den Schiffskapitänendie Verproviantierung ihrer Schiffe überlassen ist, und einenglisches, bei dem der Staat für die Verpflegung der Schiffs-mannschaften Sorge trägt.

In Frankreich ist tatsächlich bis zur Zeit Colberts es denSchiffskapitänen überlassen, für Offiziere und Mannschaft ihrerBesatzung, selbst für die Landtruppen, die sie an Bord nahmen,den Unterhalt zu beschaffen. Erst unter Colbert wird einmunitionnaire gönöral eingeführt, und die Verproviantierungerfolgt für mehrere Schiffe von Staats wegen 228 .

In England hören wir schon im 13. Jahrhundert vonAusgaben für Heringe, Schinken usw., die als Proviant aufdes Königs Schiffe geschickt wurden 229 . Manchmal wird derProviant in natura von den Ständen geliefert 28 °. Im 16. Jahr-hundert ist die staatliche Fürsorge durchaus das herrschendeSystem: vom Staate erhält die Mannschaft ihren Proviantgeliefert.

II. Der Bedarf an Lebensmitteln

Wenn wir uns der Ausführungen in demtheoretischenTeile dieser Schrift erinnern, so wissen wir, daß Größe undArt des Bedarfs eines Heeres auch an Lebensmitteln bestimmtwird durch die Stärke der Armee und die Eigenart des Ver-pflegungssystems.

Die Menge der Truppen, die unter Waffen stehen, be-stimmt immer die absolute Größe des Bedarfs; das heißt be-stimmt die Anzahl von Mündern, die gespeist sein wollen, ohnedaß ihre Träger bei der Erzeugung der Güter mithelfen.Denn das ist natürlich das ökonomisch Wichtige dabei, daß imHeere ebenso viele Nur-Konsumenten geschaffen werden, alsKrieger (oder Kriegerfamilien) da sind. Diese Eigenschaft, Nur-Konsument zu sein, hat der Soldat immer, gleichgültig, ob er