II. Der Bedarf an Lebensmitteln
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seinen Unterhalt in natura bezieht oder ihn von einem Pro-duzenten einkauft.
Das Yerpflegungssystem entscheidet dann darüber, inwelchem Umfange ein durch größere Heere hervorgerufenergrößerer Bedarf an Lebensrnitteln ein Massenbedarf, daswill sagen: ein zusammengeballter, einheitlich, im Ganzen auf-tretender Bedarf, wird. Nicht nötig, zu sagen, daß ein großerBedarf um so eher ein Massenbedarf wird, je weiter die Zen-tralisation der Bedarfsdeckung fortgeschritten ist. Ferner:wenn die Zentralisation nur in Kriegszeiten eintritt, je längerdie Kriege dauern. Endlich (bei Schiffen), je weiter sich dieAusreisen dehnen.
Die Notwendigkeit, größere Truppenmassen für einelängere Seereise zu verproviantieren, hat wohl zuerst einenMassenbedarf an Lebensmitteln erzeugt. Und hat ihn zu einerZeit hervorgerufen, als die Welt noch in Träumen dahinlebte. Esmuß mächtige Erschütterungen in den traumseligen Menschenjener Tage hervorgerufen haben, wenn eines Tages in Genua sich die Nachricht verbreitete: Philipp August von Frank-reich will sein Kriegsheer mit Proviant und Pferdefutter für8 Monate und mit Wein für 4 Monate versehen 281 .
Oder wenn der Ausrufer durch die Dörfer Frankreichs ritt und verkündete, was die Bailliage an Lebensmitteln auf-zubringen und nach Calais zu liefern habe für die Ausrüstungder dort sich einschiffenden Truppen.
Wir besitzen eine Übersicht über die einzelnen Leistungen, die denBaillis im Jahre 1304 aufgegeben wurden. Die Ziffern sind natürlichebensowenig voll zu nehmen wie die einer mittelalterlichen Gestellungs-liste. Sie drücken wohl immer nur das erhoffte Maximalquantum aus.Immerhin geben sie doch eine annähernde Größenvorstellung von denMengen, die in so früher Zeit für die Verpflegung eines Heeres zu-sammengebracht werden mußten. An ihrer Richtigkeit ist wohl nicht zuzweifeln. Die Aufstellung findet sich im Reg. XXXV des Tresor deschartes Nr. 138 und ist abgedruckt bei Boutaric, 278/79.
„Requirierungen, die im Januar 1304 den Baillis aufgegeben wurden(behufs Lieferung nach Calais):