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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere

Aber auch beim Landheere wuchsen die Bedarfsmengenbegreiflicherweise rasch. Beispiele:

Die 12000 Mann Brandenburger, die 1694 als Hilfstruppenam Rhein und in den Niederlanden standen, erhielten (außereinem Geldlohn von monatlich 38180 Talern) 2 Pfund Brotpro Mann und Tag. Das ergab für 11608 Gemeine und Unter-offiziere täglich 23 216 Pfund, in 31 Tagen also 719696 Pfund;144 Pfund Brot auf 1 Zentner Mehl Nürnberger Gewicht ge-rechnet, ergab es 4898 Zentner Mehlbedarf pro Monat 241 .1727 werden 200000 Taler aus dem Tresor angewiesen, umdafür Roggen zu kaufen für die Kriegsmagazine 242 . In den21 preußischen Magazinen lagerten am Ende der Regierungs-zeit Friedrich Wilhelms I. 45000 Wispel: eine ausreichendeVersorgung von 200000 Menschen auf ein Jahr 243 . Manrechnete in Preußen im 18. Jahrhundert 2 Pfund Brot proTag und Mann, was 7 Scheffel im Jahre ausmacht. Diepreußische Armee brauchte also schon während der erstenHälfte des 17. Jahrhunderts 2400025000 Wispel Getreide,während die Zivilbevölkerung Berlins 1720 nur 7200 Wispelbeanspruchte 244 .

Ähnliche Ziffern ergeben sich für die Armeen der anderenLänder. Duprö dAulnay stellt Mitte des 18. Jahrhundertsfolgende Rechnung für Frankreich auf 246 : die Versorgungeiner Armee von 150000 Mann mit Kommißbrot, das sind54 Millionen Rationen im Jahr, erheischt 300000 Sack Ge-treide zu 200 1b.; also 30000 t. Wir werden sehen, wenn wirjetzt die verschiedenen Wege verfolgen, auf denen die Deckungeines so riesigen Bedarfes stattfand, daß das eine Menge war,die nur aus einem einzigen Hafen (Danzig) damals ausgeführtwurde.