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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
131
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III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 131

HI. Die volkswirtschaftliche Bedeutungder Truppenverpflegung

Soviel ich sehe, hat man an dem in dieser Überschriftausgedrückten Probleme bisher immer nur die negative Seitebeachtet: man ist den zerstörenden Wirkungen nachgegangen,die räuberische Erpressungen oder übermäßige Belastungendurch Heere in einem Lande ausüben können oder ausgeübthaben. Dieser Teil des Problems hat sogar eine fast er-schöpfende Behandlung erfahren in dem einschlägigen Artikelin Krünitz Enzyklopädie. Aber das Problem hat auch einensehr bedeutsamen, positiven Inhalt, der in der Frage ent-halten ist: welchen aufbauenden, schöpferisch umgestaltendenEinfluß das Yerpflegungswesen in dieser oder jener Zeit ge-habt hat, welche Rolle es insbesondere wiederum bei derHerausbildung des modernen Kapitalismus gespielt hat. Wasich da an Zusammenhängen sehe, ist das Folgende:

1. Die Tatsache, die ich schon hervorhob, daß eine Armeeimmer eine Masse von Nur-Konsumenten darstellt, die in denZeiten des europäischen Mittelalters und noch mehr in denletzten Jahrhunderten ihren Bedarf der Regel nach durch Ein-kauf deckten, wirkt dort, wo die Tauschwirtschaft erst in denAnfängen sich befindet, zweifellos insofern auf lösend auf dasWirtschaftsleben ein, als durch diese beständige Nachfrage vonGeldbesitzern ein Anreiz zur marktmäßigen Produktiongeschaffen wird. Die tauschwirtschaftlichen Beziehungen ge-winnen also an Umfang und Stärke. Und das bedeutet un-zweifelhaft eine Beschleunigung auch der kapitalistischen Ent-wicklung, die fast überall die tauschwirtschaftliche Organi-sation zum Ausgangspunkte nimmt. Wenn in einem ökonomischso rückständigen Lande, wie Preußen es im 18. Jahrhundertnoch war, die belebende Einwirkung der großen kaufkräftigenArmee nicht dagewesen wäre, durch die erst einmal die altenbäuerlich eigenwirtschaftlichen Formen des Wirtschaftslebens