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Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere
gesprengt wurden, so hätte der Kapitalismus sicher hundertJahre länger warten müssen, ehe er diesen Bissen auch ver-schlingen konnte. Die Nachfrage der Truppen nach Lebens-mitteln — ganz gleich, oh sie vom einzelnen Soldaten odervor einer zentralen Stelle ausgeht — spielt hier also gleich-sam die Bolle eines Schrittmachers des Kapitalismus . Daßaber eine solche stimulierende Wirkung sehr wohl von derArmee ausgehen konnte, sagt uns die bloße Gegenüberstellungder Bevölkerungsziffern. Wir haben gesehen, daß in Preußen 1740 und 1786 das Heer in Friedenspräsenzstärke etwa 4°/oder Bevölkerung ausmachte: in einer Zeit, als sicherlich noch60—70°/o der Bevölkerung im Rahmen der Eigenwirtschaftihren Bedarf befriedigte. In kleinen Städten und auf demplatten Lande werden die Soldaten und wird der Militär-fiskus damals gewiß oft der einzige Käufer von Belang über-haupt gewesen sein. Friedrich Wilhelm I. sah am besten diese„belebende“ oder auflösende und die Entwicklung zu „höheren“Formen des Wirtschaftslebens treibende Einwirkung seinerTruppen ein. Ich glaube, er hatte aufs Wort recht, als ersagte:
„Wenn meine Armee außer Landes marschiert, so werdendie Accisen nicht das dritte Theil so viel tragen, als wenn dieArmee im Lande, die rerum pretium werden fallen, als danndie Ämter ihre Pacht nicht richtig abtragen werden können.“
2. Engstens im Zusammenhänge mit jener ersten Wirkung,die ein großes Heer auf die Gestaltung des Wirtschaftslebens aus-übt, steht eine zweite: die Bedeutung eines solchen Heeres alsstädtebildender Faktor. Diese Bedeutung kann natürlichnur dort hervortreten, wo die Truppen in Städten garnisoniertwerden, oder wo so viel Truppen an einer Stelle liegen, daßeine Stadt aus dieser Anhäufung hervorwächst. Jede Be-gründung und jede Vergrößerung einer Stadt bedeutet immeraber wiederum einen Schritt weiter auf der Bahn, die zumKapitalismus führt. Wie dieser eine tauschwirtschaftliche