III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 133
Organisation zur Voraussetzung einer geschichtlichen Ent-wicklung hat, so auch eine Agglomeration der Bevölkerungin Städten. Will man nicht zugeben, daß diese eine not-wendige Vorbedingung für die Entstehung des Kapitalismussei, so wird man nicht leugnen können, daß durch eine rascheVergrößerung der städtischen Siedelungen der Kapitalismuseine wesentliche Förderung erfährt.
Daß nun aber namentlich die modernen Heere in weitemUmfange städtebildend gewirkt haben, ist zweifellos. Ichführe wieder Preußen als Beispiel an, weil hier die revo-lutionierende Wirkung, die die Armee auf das Wirtschafts-leben ausgeübt hat, vielleicht am deutlichsten zutage tritt.
Berlin selbst ist ja bis zum Ende des 18. Jahrhundertseine reine Garnisonstadt: 1740 besteht die Militärbevölkerungaus 21309 Köpfen; die Gesamteinwohnerzahl beträgt etwa90000. Will man nun annehmen, daß von jedem Militär-menschen ein zweiter Mensch gelebt habe, so würde dieHälfte der Stadt durch die Garnisonierung der Truppen inihr gebildet. 1754 stieg die Militärbevölkerung auf 25 255,1776 auf 30501 Köpfe (nach Koser).
Noch schlagender fast sind die Ziffern der kleinen Städte:Halle erhält durch die Garnison einen Zuwachs von 3—4000Menschen, also vielleicht von einem Viertel seiner Bevölkerung;Magedeburg hatte (1740) 19 580 Einwohner und eine Garnisonvon 5—6000 Köpfen dazu; Stettins Bevölkerung beziffertesich (1740) auf 12 740; seine Garnison zählte 4—5000 Menschen(Soldaten mit Weibern und Kindern) 246 .
3. Haben wir bisher nun feststellen können, daß dieHeere mit ihrem wachsenden Bedarf an Lebensmitteln aufUmwegen zur Entwicklung des Kapitalismus beitragen, daßsie gleichsam seine Schrittmacher sind, so gilt es nunmehrdoch den Nachweis zu führen, daß der Kapitalismus durchdie Ausgestaltung, die das Truppenverpflegungswesen in denmodernen Staaten erfährt, auch unmittelbar gefördert wird.