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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere

Freilich: die Zusammenhänge zwischen der Beschaffung derLebensmittel für die Armeen und der Ausbildung des kapita-listischen Wirtschaftssystems liegen nicht so greifbar deutlichzutage wie etwa bei der Waffenerzeugung oder wie bei demspäter darzustellenden Bekleidungswesen. Aber vorhandensind sie, ganz gewiß. Und man wird nur ein bißchen genauerZusehen und ein bißchen weiter in der Runde sich umschauenmüssen, um sie zu finden.

Woran ich zunächst denke, ist die Förderung, die offenbarder landwirtschaftlicheGroßbetrieb in erster Liniedurch die Bestellungen der Heeresverwaltung erfährt, unddie ihn auf der Bahn des Kapitalismus vorwärts treibt. DieGetreideeinkäufe der Heeresverwaltungen im Großen, die seitdem 16. Jahrhundert immer häufiger werden, sind es, die dieRentabilität der großen Landwirtschaft allenthalben steigernund immer mehr Anlaß geben, zu dieser überzugehen. Indie Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert fällt in Deutsch-land und Österreich die Ausbildung des Ritterguts, dieseserstenkapitalistischen Betriebes, wie Knapp meint. Eswird nun ohne weiteres behauptet werden dürfen (und istauch verschiedentlich im einzelnen nach gewiesen worden), daßdiese Entwicklung gar nicht hätte eintreten können oderjedenfalls außerordentlich viel langsamer verlaufen wäre ohnedie Ausweitung der Getreideproduktion, die eine steigendeNachfrage nach Getreide zu befriedigen suchte. Wodurchwar diese steigende Nachfrage hervorgerufen? Ich behaupte:im wesentlichen durch die Entstehung der modernen Heereund deren wachsenden Bedarf an Lebensmitteln. Und ver-suche, die Richtigkeit dieser Behauptung zu beweisen.

Zu diesem Behufe könnte ich Fälle ausfindig zu machensuchen, in denen der Absatz der Großgüter an die Armeeaußer Zweifel steht. Und solche Fälle gibt es zweifelloseine ganze Menge. Mir schweben z. B. die Bestellungenvor, die Wallenstein bei den Vorstehern seiner eigenen Güter