Druckschrift 
2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 135

macht (Wallenstein war nicht nur ein großer Feldherr, sondernein vielleicht noch größerer und gerissenerer Geschäftsmann!),und die oft auf ganz große Beträge gehen. Diese Lieferungendes eigenen Getreides, an dem er als Produzent und als Feld-herr Profit machte, dienten als regelmäßige Ergänzung dersonst durch Plünderung oder Erpressung aufgebrachten Unter-haltsmittel für die Wallensteinschen Heere. So bestellt eram 13. März 1626 30000 Strich (ä 93,6 1) Getreide von seinenGütern 247 .

Oder mir kommen die Getreideeinkäufe ganz großenStils in den Sinn, die Gustav Adolf für seine Armee in Ruß-land machte 248 .

Oder ich denke an die offensichtliche Bevorzugung, dieFriedrich Wilhelm I. den Pächtern seiner Domanialgüter an-gedeihen läßt, wenn er Einkäufe für die Kriegsmagazinemacht 249 .

Aber ein einigermaßen schlüssiger Beweis für die Richtig-keit meiner Behauptung wird sich auf diesem geraden Wegekaum führen lassen. Ich schlage deshalb einen Umweg ein:über den sich seit dem 16. Jahrhundert entwickelnden inter-nationalen Getreidehandel, an den ich auf der einen Seiteden kapitalistischen landwirtschaftlichen Großbetrieb an-knüpfe (weil dieser durch ihn ermöglicht wird), auf der anderndie Nachfrage der Heeresverwaltungen (weil sie zur Ent-stehung dieses Marktes in erster Linie beigetragen haben).Gelingt mir der Nachweis, daß der internationale Getreide-handel des 16., 17. und 18. Jahrhunderts im wesentlichendem modernen Heerwesen seine Existenz verdankt, so habeich damit eine neue wichtige Beziehung zwischen Militarismusund Kapitalismus aufgedeckt, insofern als jener Handel selbst,wie zu zeigen sein wird, eine ganz große Manifestation desKapitalismus, eine der frühesten auf kommerziellem Gebiete,gewesen ist. Deshalb fasse ich diesen Teil meiner Dar-stellung auch als eine besondere Einheit zusammen: