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Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere
4. Der europäische Getreidelt an del zerfällt deut-lich in zwei ziemlich scharf voneinander geschiedene Epochen:in die Zeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts und die Zeitseitdem. Was die beiden Epochen unterscheidet, sind dergeographische Umkreis, über den sich der Handel erstreckte,und die Mengen des in den Handel gebrachten Getreides.Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts, eigentlich so recht erstseit dem 17. Jahrhundert, gibt es einen internationalen Ge-treidehandel, dessen Sitz eine kurze Zeit Antwerpen und dannAmsterdam ist, und ebenfalls seit jener Zeit weitet sich derUmfang des Handels, man ist versucht zu sagen: plötzlich,,sprunghaft aus.
Der bedeutendste Getreidehandel des Mittelalters warder italienische, der die norditalienischen Städte, namentlichwohl Venedig, mit Zufuhren aus Süditalien und dem Pontus(dies in bescheidenen Grenzen) versorgte. Die Umsatzmengensind für mittelalterliche Verhältnisse bedeutend: die Aus-fuhrscheine, die die Florentiner Bankhäuser aufzukaufenpflegten, um damit zu spekulieren, lauten im 14. Jahrhundertauf durchschnittlich 100—120000 Salme 250 , nach meiner Be-rechnung etwa 10—15 000 t. Nehmen wir an, daß die Hälfteoder auch zwei Drittel dieser Mengen wirklich zur Ausfuhrgelangten, so hätten wir mit Umsätzen von 5—10 000 Tonnenzu rechnen: das Doppelte und Dreifache der größten nordischenGetreidehandelsplätze in Hamburg, Stettin, Reval usw.
Alle Ziffern, die für die Zeit bis ins 16. Jahrhundertwesentlich größere Umsätze angeben, sind apokryph. Auchfür den Getreidehandel Antwerpens im 16. Jahrhundert, dervielleicht schon schon recht bedeutend war, haben wir meinesWissens keine zuverlässigen Angaben. Es ist wirklich nichtstatthaft, einem Chronisten nachzuschreiben: daß 2500 (!)Schiffe damals auf der Schelde ankerten, daß Jahr für Jahr60000 Last Getreide aus der Ostsee und den Niederlandenin Antwerpen ausgeladen wurden. Möglich ist es. Es können