III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 147
Eine gründliche Untersuchung des Militärlieferungswesenswäre eine reizvolle und gewiß an vielen Aufschlüssen reichewissenschaftliche Aufgabe, die ich natürlich in diesem Zu-sammenhänge nicht lösen kann, ohne den Rahmen dieserStudie zu zersprengen. Ich will hier nur auf einen Punktnoch hinweisen, der mir besonderer Beachtung wert erscheint:das ist (und damit scheint mir abermals eine wichtige Be-ziehung zwischen Heeresverproviantierung und modernemKapitalismus aufgedeckt zu sein)
7. die intime Verbindung, die zwischen der Armeelieferungund der Judenschaft zu allen Zeiten bestanden hat. Werdie wirtschaftliche Entwicklung der Juden seit dem Mittelalterverfolgt, dem fällt nichts so sehr auf als dies: wie häufiges Juden sind, die die Armeen mit allen nötigen Sachgüternausrüsten.
Solange sie in Spanien das Wirtschaftsleben beherrschten, war esnatürlich, daß sie auch als Heereslieferanten eine hervorragende Rollespielten. Aber auch in den Ländern, in denen sie nach ihrer Ver-treibung ihre Tätigkeit entfalteten, üben sie sofort dieses einträglichstealler Gewerbe mit Vorliebe aus. Wir begegnen ihnen in England während des 17. und 18. Jahrhunderts in der gedachten Eigenschaft.Während des Commonwealth ist der bei weitem bedeutendste Heeres-lieferant Ant. Fern. Carvajal, „the great Jew“, der zwischen 1630 und1635 in London einwandert und sich bald zu einem der leitenden Kauf-leute des Landes aufschwingt. Im Jahre 1649 gehört er zu den fünfLondoner Kaufleuten, denen der Staatsrat die Getreidelieferung für dasHeer überträgt 272 . In der darauffolgenden Periode, namentlich in denKriegen Wilhelms III., tritt als „the great contractor“ vor allem SirSolomon Medina, „the Jew Medina“ , hervor, der daraufhin in den Adels-stand erhoben wird 278 .
Und ebenso sind es Juden, die auf der feindlichen Seite imspanischen Erbfolgekriege die Heere mit dem Nötigen versorgen:„Und bedient sich Frankreich jederzeit ihrer Hülffe, bey Krieges-Zeitenseine Reuterey beritten zu machen“ 21i . 1716 berufen sich die StraßburgerJuden auf die Dienste, die sie der Armee Ludwigs XIV. durch Nach-richten und Proviant geleistet haben 275 . Jakob Worms hieß der Haupt-kriegslieferant Ludwigs XIV . 276 . Im 18. Jahrhundert treten sie dannin dieser Eigenschaft in Frankreich immer mehr hervor. Im Jahre 1727lassen die Juden von Metz innerhalb von sechs Wochen 2000 Pferde
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