Ißß Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere
Stellen wir nur für das Tuch eine Kechnung an: umeine Armee von 100000 Mann einzukleiden, sind 500000 Ellenoder 20000 Stück erforderlich. Eine Erneuerung der Monturalle zwei Jahre angenommen, ergäbe das einen Jahresverbrauchvon 10000 Stück im Jahr. Sch moller rechnet für denGesamtkonsum der brandenburgischen Bevölkerung im Anfangdes 18. Jahrhunderts 50000 Stück Tuch heraus 387 . Friedrichder Große gibt in den bi’andenburgischen Memoiren die Aus-fuhr von Tüchern aus der Kur- und Neumark auf rund44000 Stück an 338 .
Die Jahresproduktion der englischen Landschaft WestRiding betrug um dieselbe Zeit etwa 25000 Stück Tuch 839 .
Man ist geneigt, angesichts solcher Ziffern auf einenerheblichen fördernden Einfluß zu schließen, den die Nach-frage nach Soldatentuch auf die Tuchindustrie eines Landesausgeübt haben muß. Aber dieser allgemeine Schluß wirdauch in einzelnen Fällen durch den Gang der Ereignissebestätigt.
Daß in Rußland die Tuchindustrie wesentlich als Militär-tuchindustrie ins Leben getreten ist, ist bekannt.
Eine sehr beträchtliche Förderung hat aber auch diebrandenburgische Tuchindustrie durch die Armee-bestellungen erfahren. Insbesondere hat für sie im 18. Jahr-hundert die Periode, in der sie für die Russische Kompagniein Berlin lieferte (1725—38), einen erheblichen Aufschwungbedeutet. Die Russische Kompagnie führte nach Rußland in diesen Jahren bis 20 000 Stück Tuch im Jahre aus: allesnur Soldatentuch für die Bekleidung der russischen Armee:eine solche Menge mußte angesichts der oben mitgeteiltenZiffern der Gesamtproduktion „ungeheuer ins Gewicht fallen“ 849Friedrich Wilhelm erkannte diesen Zusammenhang zwischengewerblicher Blüte und Heeresentwicklung sehr wohl: ertraf die Heereseinrichtungen geradezu im Hinblick auf dieIndustrie. Das Montierungsreglement vom 30. Juni 1713