III. Vergrößerung, Zusammenballung und Uniformierung usw. 167
wurde erlassen „zum Besten dero Truppen als auch zumAufnehmen in dero Landen etablierten Manufakturen“.Urteilsfähige Beobachter heben die große Bedeutung hervor,die der Heeresbedarf für die Tuchindustrie des Landes hatte:„il paroit que l’armde a toujours fait un des principauxdöbouches pour le travail des drapiers du pays“ 341 .
Selbst für die große englische Tuchindustrie ist dieLieferung für die Heere offenbar nicht ganz ohne Belanggewesen (obwohl ihr Hauptabsatz anderswohin gerichtetwar). Sie hat nach Rußland, ehe ihr die Preußen Kon-kurrenz machten, ebenfalls große Mengen Soldatentuch ge-liefert. Wir sehen die englischen (und holländischen) Kauf-leute einen erbitterten Kampf mit den preußischen Ein-dringlingen ausfechten. Im Jahre 1772 wurde der Wert derAusfuhr an Wollwaren aus England nach Rußland auf noch50000 geschätzt 842 .
Besonders während des Siebenjährigen Krieges drängtesich der stimulierende Einfluß, den der Heeresbedarf auf dieTuchindustrien des Landes ausübte, dem scharfen Beobachterohne weiteres auf. So berichtet uns Arthur Young: während jener Jahre habe der Krieg eine solche Nachfragenach Fabrikaten erzeugt, daß kaum „Hände“ genug zu ihrerAnfertigung beschafft werden konnten 343 .
Wieviel von der Gesamtproduktion der englischen Woll-industrie für Heereszwecke verwandt wurde, entzieht sichvöllig der ziffernmäßigen Feststellung. Wir wissen nur, daßbeispielsweise in den deutschen Rechnungen des 17. Jahr-hunderts über Militärlieferungen das Soldatentuch meist alslundisch (Londoner) Tuch bezeichnet wird.
In Frankreich hat diejenige Tuchindustrie, die fürdie Armee arbeitete, seit Colberts Zeit eine große Bedeutunggehabt: Wir finden sie im 17. Jahrhundert in Languedoc, in Berri, wo sie 2000 Personen in Aubigny, 10 000 in Chateau-roux beschäftigte; im 18. Jahrhundert in Metz, in Lodhve