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Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere
leuten Mühe, die oben erwähnten 965 (!) Ellen lundischTuch zu beschaffen. Zu diesem Posten findet sich folgendeAnmerkung:
„Nota hierauf berichteten die Weylere (= die Kaufl.),dz sie albereit etwz geliefert und sich bemühen wollen, wznoch mangelt, so viel als müglich zu erschaffen, wo nicht mußman aldorten in Preußen Rath schaffen . . .“
Das bedeutete, daß sich ein ganz großer Handel inKleidern und Kleiderstoffen aller Art entwickeln mußte. DieHeeresverwaltung konnte und wollte nicht mit Tausendenkleiner Handwerker in direkten Verkehr treten; sie konnteund wollte auch nicht auf den Messen und Märkten ihre Ein-käufe besorgen. So gab es hier einen bedeutsamen Anlaß zurAusbildung eines seßhaften Handels auf breiter kapitalistischerBasis. Zuweilen brauchte der Fürst auch den Lieferantenals Zwischenglied zwischen Produzenten und Armee, weil erallein ihm den — ach so oft! — erforderlichen Kredit ge-währte.
Nicht ohne innere Bewegung hört man Vorgänge dieser Art be-richten 360 : 1678 schreibt der Große Kurfürst an die Obersten seinerRegimenter: „Weil Wir gnädigst gerne sehen möchten die Noth selbstauch erfordert, daß die Regimenter mit recht guter und tüchtiger Kley-dung versehen und ohne allen Mangel würden zu Felde geführet werden,als seindt Wir der gnädigsten Meinung über obbemeldete Recruiten einemjeden Regiment zu Fuß annoch dreytausend Rthlr. zu Kleyder-Geldern zu geben . . . Geg. Cölln a. d. Spree 28. Febr. Ao. 1678.“ Dader Kurfürst die Summe nicht flüssig hat (3000 Thlr.!), soll sie ihm derOberst borgen. Der Oberst hat sie aber auch nicht: er bekommt von 1676her noch 13168 Rthlr. Sold! Aber — ein paar Magdeburger Kaufleuteerbieten sich, Tuch für diesen Betrag auf Kredit zu liefern: „Immittelsthabe ich bereits 200 Stück blau Tuch gekauffet, “ schreibt der Oberstv. Bornstorff.
Reiche Kaufleute drängen sich in den Kleiderlieferungs-handel, durch den sie ihren Reichtum rasch vermehren: derholländische (!) Tuchhändler Hermann Mayer hat für 80000 Rb.englische Tücher in Petersburg lagern (1725); die Russische Kompagnie in Berlin arbeitete mit einem Kapital von