Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202 Das Ncuestc ans dem Ncichc des Witzes.

Schriften der bekanntesten Philosophen? Welches sind denn die Lehrendieser Freunde der Weisheit? Wenn man sie hört, solle man sie siireinen Hansen Marktschrcycr halten, wovon jeder ans öffentlichen Platzeruft: konimt zn mir! von mir allein werdet ihr nicht betrogen - - -Was für ungeheure Schriften haben unsre Zeiten ausgeheckt. TieBuchdruckerkunst wird sie als unwicersprechlichc Beweise unsres Verder-bens auf die Nachwelt bringen nnd unsre vielleicht gewitzigte» Nach-kommen werden die Hände gen Himmcl strecken und beten. Allmäch-tiger Gott! der du alle Geister in deiner Hand trägst, bcfrcyc unsvon den Einsichten und den verderblichen Knusten unsrer Väter; undschenke uns wieder Unwissenheit, Unschuld und Armuth; die einzi-gen Euter, welche unser Glück befördern, und vor dir angenehmsind. - - Was soll man von denen sagen, welche die Thüren zn demHeiligthnmc der Gelehrsamkeit erbrochen, und den Pöbel hereingelassenhaben? Wie viele sind durch sie zu den Wissenschaften verführt worden,welche sich auf Künste, die der Gesellschaft heilsamer sind, würden ge-legt haben. Nur diejenigen sollte man dazu lassen, welche was ansscr-ordcntlichcS zu leisten im Stande sind. Diese aber müßte man ansdie mächtigste Art ermuntern. Nichts müßte für ihre Hofnnng zuhoch fcyn. Große Gelegenheiten machen große Geister. - - - O Tu-gend! schließt er endlich; erhabne Wissenschaft einfältiger Seelen, soviel Mühe, so viel Anstalten sind nöthig, dich zu kennen? Sind deineLehren nicht in unser Herz gegraben? Ist es nicht genug, daß man insich selbst geht, wenn man deine Gesetze lernen will, und daß mandie Stimme seines Gewissens höret, wann die Leidenschaften schweigen SDieses ist die wahre Wcltwcishcitz daran wollen wir uns begnügenlernen, ^hnc die berühmten Leute, welche sich in der gelehrten Weltunsterblich machen, zu beneiden, wollen wir uns bestreben zwischen ih-nen und uns den rühmlichen Unterscheid zu machen, welchen manehedem zwischen zwey großen Völkern bemerkte; das eine wußte wohlzu reden, das andre wohl zn handeln.

Mit solchen Waffen bestürmet Rousseau die Wissenschaften undKünste. Ich weiß nicht, was man für eine hcimliclic Ehrfurcht füreinen Mann empfindet, welcher der Tugend gegen alle gebilligte Vor-urlhcilc das Wort redet; auch sogar alsdann, wann er zn weit geht.Wir könnten vcrschicdncs einwenden. Wir könnten sagen, daß dieAufnahme der Wissenschaften und der Verfall der Sitten und des