Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
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201
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Das Neueste aus dem Reiche des Witzes. !>01

bar, weniger blühend oder mehr verderbt seyn? Doch, was ist derVerlust der Zeit gegen andre Uebel, welche den .Künsten und Wis-senschaften folgen? Das größte ist die Verschwendung. Man behaup-tet, in dieser bestehe die Blüte des Staats. Ein Paradoxon, wel-ches sich nur zu unsern Zeiten hat können denken lassen. So sindgute Sitten zur Tauer eines Staats nicht nöthig ? Ist cs besser, daßein Reich glänzend und augenblicklich, oder daß cs tugendhaft undbeständig ist? Mit Gelde kann man alles haben, nur Sitten undBürger nicht. Ein neues Uebel, welches die Verschwendung »ach sichzieht, ist die Verderbung des Geschmacks. - - - Sage uns, berühmterArouct, wie viel männliche und starke Schönheiten hast du unsrer fal-schen Zärtlichkeit aufopfern müssen? und wie viel grosses hat ihm derbuhlende Geist zu gefallen, welcher an Kleinigkeiten so fruchtbar ist,gekostet? - - - Doch verderblichern Uebeln weichen kleinere Schaden.Indessen da sich die Bequemlichkeiten des Lebens vermehren, die Künstesteigen und die Verschwendung übcrhand nimmt, wird der wahre Muthentkräftet, und die kriegerischen Tugenden verschwinden. Die Geschichtebestärkt es durchgängig. Die Erhebung des Hauses Mcdicis und dieWiederherstellung der Künste verlöschte von neuem, und vielleicht aufewig den kriegerischen Ruhm, welchen Italien vor einigen Jahrhun-derten wieder erhalten zu haben schien - - Nicht allein den martiali-schen, sondern auch den sittlichen Vollkommenheiten sind die Wissen-schaften nachlhcilig. Man sieht überall iincrinefiliche Stiftungen, wodie Jugend alles mit großen Unkosten lernt, nur ihre Pflicht nicht - -Unsre Gärten sind mit Bildsäulen und unsre Gallerten mit BildernanSgezicrt. lind was stellen sie vor? Die Vertheidiger des Vaterlands?oder die »och erhabener» Männer, die cS durch ihre Tugenden berei-chert habe»? Abbildungen aller Ausschweifungen des Herzens und derVcrnnnft sind es, so wie man sie sorgfällig ans der alte» Fabellchrcgczogc» hat; ohne Zweifel, damit den Kindern, noch eher als sie lese»könne», Mnstcr von sträflichen Handlungen vor Auge» gestcllct wür-den - - - Die Geschicklichkcitc» werde» vorgezogen, und die Tugendwird verachtet- Der schöne Kopf erhält Belohnungen, und der ehrlicheMaun bleibt immer im Dunkeln. Es giebt hundert Preise für schöneReden, keine» cmzigc» für schöne Handliuigc» - - - - Wir habe» Na-turforscher, Erdmcsscr, Lhimustcn, Stcnisehcr, Dichter, Toiikünsilcr,Mahler! nur Bürger haben wir nicht - - - Was enthalten denn die