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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
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VI. Die Beschaffung der Schiffbaumaterialien

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Erscheint schon nach dem, was ich eben ausgeführt habe,die hohe Bedeutung, die der Schiffbau für die Gestaltungdes modernen Wirtschaftslebens und insbesondere für dieEntwicklung des Kapitalismus hat, erwiesen zu sein, so möchteich zum Schlüsse doch noch auf einen Zusammenhang hin-deuten, der zwischen den beiden Phänomenen Schiffbau undKapitalismus und in weiterem Sinne zwischen Krieg undKapitalismus besteht und der jene kriegerischen Betätigungenvielleicht erst in ihrer ganzen großen Wirksamkeit erscheinenläßt. Wenn die Eisenindustrie nicht zuletzt durch den Waffen-bedarf, wenn der Schiffbau nicht zuletzt durch die Nachfragenach Kriegsschiffen zu höheren Formen umgebildet sind, wennalso Eisenindustrie und Schiffbau letzthin Kinder sind, dieder Krieg gezeugt hat, so ist dieser damit wieder einmal einZerstörer geworden: der Zerstörer der Wälder in Europa ;denn jene beiden Gewerbe vor allem stellten die hohen An-sprüche an die Holzproduktion, die schon seit dem 16. Jahr-hundert zu den lebhaftesten Klagen über zunehmende Holz-knappheit Anlaß geben. Wiederum aber steigt aus derZerstörung neuer schöpferischer Geist empor: der Mangel anHolz und die Notdurft des täglichen Lebens drängten auf dieAuffindung oder die Erfindung von Ersatzstoffen für das Holzhin, drängten zur Nutzung der Steinkohle als Heizmaterial,drängten zu der Erfindung desKoltesverfahrens beider Eisenbereitung. Daß dieses aber die ganze groß-artige Entwicklung des Kapitalismus im 19. Jahrhundert erstmöglich gemacht hat, steht für jeden Kundigen außer Zweifel.

Sodaß auch hier, in diesem entscheidenden Punkte, un-sichtbare Fäden die merkantilen und die militaristischenInteressen eng miteinander zu verknüpfen scheinen.