Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
213
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Das Neueste aus dem Reiche des Witzes. 213

welche dadurch, daß ihr Urheber dem Dichter die Freyheit laßt, siezuzuschreiben, wem er will, eine Art einer öffentlichen Belohnungwird. Noch schmeichelhafter muß eS seyn, wenn man die Ueberzeu-gung damit verbinden kann, diese Belohnung verdient zu haben, siedurch den Eifer verdient zu haben, die verscheuchte Tugend der Weltan der Hand der ihr geweihten Muse zuzuführen, nicht aber durch ei-nen zügellosen Witz, welcher Himmel und Sitten lächerlich macht, siecrsündigt zu haben.

Wann der Verfasser des MeßiaS kein Dichter ist, so ist er dochein Vertheidiger unserer Religion. Und dieses ist er mehr als alleSchriftsteller sogenannter geretteter Offenbarungen oder untrügli-cher Beweise. Oft beweisen diese Herren durch ihre Beweise nichts,als daß sie das Beweisen hätten sollen bleiben lassen. Zu einer Zeit,da man das Christenthum nur durch Spöttcreycn bestreitet, werdenernsthafte Schlüsse übel verschwendet. Den bündigsten Schluß kannman durch einen Einfall zwar nicht widerlegen, aber man kann ihmden Weg zur Ueberzeugung abschneiden. Man setze Witz dem Witze,Scharfsinnigkcit der Scharfsiiinigkeit entgegen. Sucht man die Reli-gion verächtlich zu machen, so suche man auf der andern Seite, siein alle dem Glänze vorzustellen, wo sie unsre Ehrfurcht verdienet.Dieses hat der Dichter gethan. Das erhabenste Geheimniß weiß erauf einer Seite zu schildern, wo man gern seine Uubcgreiflichkcit ver-gißt, und sich in der Bewunderung verlieret. Er weiß in seinen Lesernden Wunsch zu erwecken, daß das Christenthum wahr seyn möchte; ge-setzt auch, wir wären so unglücklich, daß es nicht wahr sey. UnserUrtheil schlägt sich allezeit auf die Seite unsres Wunsches. Wann die-ser die Einbildungskraft beschäftigt, so läßt er ihr keine Zeit aufspitzige Zweifel zu fallen; und alsdann wird den meisten ein unbestritt-ner Beweis eben das seyn, was einem Weltweisen ein unzubestreiteu-der ist. Ein Fechter faßt die Schwäche der feindlichen Klinge. Wanndie Arzeney heilsam ist, so ist cS gleich viel, wie man sie dem Kindebeybringt - - Diese einzige Betrachtung sollte den Meßias schätzbarmachen, und diejenigen behutsamer, welche von der Natur verwahrlo-set find, oder sich selbst verwahrloset haben, daß sie die poetischenSchönheiten desselben nicht empfinden. Besonders wann eS zum Un-glücke Männer sind, die bey einer Art Leute, welche immer noch dengrößten Theil macht, ein gewisses Ansehen haben.