Das Neueste aus dem Reiche des Witzes. 219
„Versen; sie verbergen Schlangen unter angenehmen Blumen; der Al-„manach der Liebe ist der Almanach des Teufels." - - Hat es sich derMühe verlohnt, daß wir dem Leser diese Kleinigkeit so wcitlauftig er-zählt haben? Die untermengte Satyre ist fein, sie hat aber nichtsals gewisse Modethorheiten zum Gegenstände. Den Ausländern wirdsie dadurch unverständlich; und in Paris selbst ohne Nutzen, so baldman diese Thorheiten mit andern abwechselt. Eine Abwechselung wor-innc Frankreich so sinnreich, als in Veränderung seiner Kleider ist.
Vielleicht ist die Epische Dichtkunst in England glücklicher? Nochbewundert es seinen ÄeonidaS/ ein Werk, dessen Schönheit sich einemfreyen Engländer in einer Vergrößerung zeigen müssen, worinne siewenigstens kein zum dienen gebohrner Franzose zu fühlen fähig ist.In diesem Jahre aber hat es unter dem Titlcl Scriiileriade einneues komisches Heldengedichte erhalten, welches' voller ursprünglichenWitzes ist. Der Held heißt Scriblcrus/ ein Gelehrter, in dessenPerson der dichter die unnützcn Unternehmungen der studirten DonTuurotcs unnachahmlich lächerlich macht. Er hat überall des Cervan-tes ernsthafte Art zu scherzen genau beybehalten, und sie niemals mitdem Drolligteu abgewechselt, welche Vermischung zwar vielen gefällt,in der That aber ein Fehler ist. Wir wollen anfangen, dem Leservon dem ersten Buche, mit eingestreuten kleinen Stellen, den Jnnhaltbekannt zu machen, und in dem künftigen Blatte damit fortfahren.Der Dichter fangt, wie gewöhnlich, mit Beschreibung seines Unterneh-mens an. Er entdeckt, daß Saturn oder die Zeit der Feind seinesHelden sey. Er berührt kürzlich die Ursachen dieser Feindschaft, undzeigt uns den Scriblcrus auf einmal in der afrikanischen Wüste. Diesedurchzieht er mit seinen Ecfährtcn, die versteinerte Stadt aufzufuchen.(Diese versteinerte Stadt ist in ganz Afrika bekannt/ und nichtwenige ansehnliche Personen in Europa haben das ZNährchcngeglaubt. Shaw erzehlet uns in seiner Rcisebeschreibung/ daßÄudwig XIV. so überzeugt davon gewesen sey/ daß er seineinGesandren Befehl gegeben habe/ ihm den Rörper eines ver-steinerten Mannes/ aus dieser Stadt/ zu verschaffen, es mögekoste»/ was es wolle. Zween Ianitscharen hätten dem Gesand-ten auch wirklich einen steinern Rnaben um fünf hundert Liv.verkauft, und vorgegeben/ daß sie einen grössern Rörper ohn-möglich so weit wegbringen könnten ohne von den Arabern