2-10 Das Ncncsic aus dem Reiche des Witzes.
den gewöhnlichen Anrufungen an. „Ohne Lehrmeister lernt man lic-„bcn, ohne Kunst seufzet das Herz; denn die Liebe ist eine Neigung,„die die Natur einfloßt. Aber dem Gesetze der Pflichten ihre schöne»„Flammen zu unterwerfen, das widrige Schicksal zu erweichen, die„Gunstbezeigungen für den Preis; der Beständigkeit zu erkaufen, den„Argwohn bleicher Mitbuhler zu ersticken; dazu gehöret eine Kunst,„dazu gehören Lchrmeistcr und Regeln." Dieser Entwurf, hoffenwir, muß den schärfsten Sittenrichter auf das Trockene setzen. DerDichter weiß von keiner Muse außer von seiner Znlni, „die Geliebte,deren Reitz die Tugend borgen würde, wenn sie sterblichen Blickensichtbar werden wollte. „Wende diese Augen auf mich, worinne dein„Hertz sich bildet, wo die Schamhaftigkcit wohnet, und die siegende„Liebe lächelt. Ein einziger deiner Blicke bringt jenes erhabene Feuer,„jene göttliche Flamme, die die Töne der ewigen Sänger beleben, in„meine Seele. Sey meine Mnsc. Wo soll ich eine zärtlichere finden?„Komm führe meine Hand, leihe meinem Liede deine Anmuth. Jn-„dcm ich die Liebe erhebe, singe ich dich, Znlni!" — — Nunmehrtritt der Dichter ins Feld. Er lehrt den himmlischen Ursprung derLiebe, er lehrt, daß sie nach diesem Ursprünge das schönste Ge-schenk sey, welches das Schicksal auf die Menschlichkeit fließen las-sen, er lehrt, daß sie nur durch die Vermischung mit unsern Lasierntadclhaft wird; daß ihr alle Herzen den Zoll schuldig sind; daßsie früh oder späte sich Meister davon macht; daß man die Zeit derEmpfindlichkeit, der Jugend dazu anwenden müsse; daß in der Welteine Person sey, welche das Schicksal uns zn lieben, und von unsgeliebt zu werden bestimmt habe. „Unsere Neigungen sind bestimmt,„umsonst sind uuschiffbare Meere unüberwindliche Scheidemaucr» zwi-schen zwey jungen Herzen, gebohrcn einander zu fesseln. Ein nn-„ vermutheter Augenblick bringt sie zusammen. Wäre sie auch unter„dem brennenden Himmelsstriche gebohrcn, wo Phöbus die wildcn„Mcricaner bereichert; lebte sie auch auf den gefrohrnen, wüsten und„schrecklichen Berge», um die sich der Scythe und die Bäre streiten,„auf den Berge», dc» Gräber» der Welt, wo die Natur erblasset;„und der Himmel hat ihr die Beherrschung eurer Wünsche vorbehal-ten; so wird nichts diese ewigen Rathschlüsse hintertreiben." Nur,fährt der Lehrer der Liebe fort, muß man den Augenblick erwarten; undsich nicht darume zu bctricge», zeigt er welches die Merkmahle der