Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
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Das Neueste aus dem Reiche des Witzes.

Dienst seyn muß; ein Madrigal, eine Sinnschrift, ein Lied, ein Son-net sind die Lobgesängc, welche die Gottheit der Liebe daselbst preisen.Dieses führt den Dichter auf die Macht der Poesie, auf ihren Ursprung,auf ihre Reize, auf ihre Vorrechte.Weichet, Verliebte, dieserbezaubernden Kunst einige Augenblicke, mehr euch beliebt zu machen,als in die Klasse der Schriftsteller zu kommen. Sie weiß den Ein-gaug in das unwirthbarsie Herz zu finden. Nicht Löwen, Felsen,Sturmwinde hat man mehr durch sie zu erweichen, sondern alleindie Strenge des Herzens." Von der Poesie kömt er aufdie Vortheile des Schmauses, den Mittelpunkt der Aufrichtigkeit. DerSchmaus bietet die zärtlichsten Geständnisse dar, und berechtiget sie;wie sehr hilft er der Liebe, wann zumal Musick und Tanz ihn beglei-ten, diese Kinder der Zärtlichkeit.Auch das Spiel ist fürLiebhaber. Die Munterkeit hat den Vorsitz, bey diesem lachendenStreite, den das Schicksal entscheidet. Der Verdruß, die lauge Weilewerden auf Flügeln der Zeit davon geschickt. Jeder Augenblick bc-kömt eine neue Gestalt. Das Glück flattert herum, es drohet, eslacht; die Hofnung strahlet und verschwindet; das Gold wächset undvertrocknet. Doch wollt ihr den Augen derjenigen gefallen, welcheeuer Herz beherrscht, so fliehet den Ruff eines Spielers von Pro-feßion. Das Herz wird getheilt, eure Geliebte aber will es ganzbesitzen." Hier zeigt der Dichter, wie weit sich ein vernünftiger Lieb-haber in das Spiel einlassen müsse. Nie muß die Geliebte darunterverlieren, die mau beständig zu sehen, sich zu einer süssen Gewohn-heit machen muß. Diese allein entscheidet; man wird sich wesentlich,und endlich sind eS zwey Körper welche eine Seele belebt. Doch mußman deswegen nicht den andern Umgang fliehen, und aus Liebe einMenschenfeind werden. Man muß fortfahren seine Freunde zu besu-chen und sie zu schätzen. Hier schildert der Dichter das Lob der Freund-schaft.Das geheime Vergnügen einer zärtlichen Verbindung theileeucrn Tagen nene Anmuth mit. Bringet der Welt eine geschmeidigeBiegsamkeit davon her, und verbindet euch die Gemüther durch einenwilligen Umgang. Besonders erwerbt euch den Schatz eines weisenFreundes, an dessen Werth weder Ehre noch Gold kömmt. Er isteine Quelle von Tugenden, die euch nützlich sind; er ist eine leuch-tendc Fackel auf den dunkelsten Wegen; nach der Liebe ist er daskostbarste Geschenke des Himmels. Bey ihm leget alle Geheimnisse cu-