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3 (1838)
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248
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248 Das Neueste aus dem Reiche des Witzes.

allzulange Abwesenheit ist das traurigste Unglück für Verliebte. Eszu lindern schenke man sein Bildniß der Geliebten, und suche das ihredafür zu erhalten. Die Liebe so wohl als die Freundschaft erlaubtden Gebrauch der Geschenke; diese aber müssen gcwchlt seyn, und manmuß mehr die Empfindlichkeit der Schönheit als ihr Glück dabey zuRathe ziehen. Erhält man zum Gegengeschenke ein von ihren Haarengeflochtenes Armband; welches kostbare Pfand der zärtlichsten Liebe!Das sicherste Mittel ohne Nebenbuhler geliebt zu werden, ist einegleiche ungethcilte Liebe gegen die, von welcher man dieses Gluck be-gehrt. Hier haben beyde Geschlechter gleiches Recht; und dieses sowohl als jenes kann sich über die Untreue des andern beklagen. Wieschädlich aber ist dabey eine stürmende Eifersucht! Rimmermchr wirddiese ein Herz wider zurück bringen, welches nur durch Gefälligkeitund Anmuth von neuen gewonnen wird. Tiefen Satz erläutert derDichter durch das Exempel des ersten Franciscus Königs von Frank-reich und der zwey Hcrzoginncn^von Etampc und von Valcntinois.

In dem letzten Gesänge nahet sich der Dichter dem glücklichen Zeit-punkte, da die Liebe gekrönt wird. Er beschreibt die Besorgnis; derGeliebten durch einen völligen Genuß ihre» Liebhaber allzusehr zu sät-tigen, und in der That sind diese Gunstbezeigungen oft die Mördereiner Leidenschaft, die die wohlgegründestc zu seyn schien; weil sie mci-stenthcils die Mängel auf beyden Theilen entdecken. Hier hat alfo derLiebhaber feine ganze Knust anzuwenden, jene Besorgnis; zu zerstreuen,lind sein gutes Glücke mit Behutsamkeit weiter zu treiben. Lobt erseine Gebieterin, so muß dieses Lob fein angebracht seyn.Lobet mitAnmuth, und lobet mit Genauigkeit. Man wird unhöflich durchallzuviel Höflichkeit. Legt ihr keine Reize bey, von denen sie, Danksey ihrem Spiegel, weiß, daß sie sie nicht hat. Bey der blassenFanny lobet recht die blühenden Rosen; leihet ihr Schönheiten, alleinohne die Sache zu übertreiben. Ein übertriebenes Lob ist nnschmack-haft, und man lacht drüber. Oft, euch zu erforschen, lobt sie Reizean andern, die ihr der Himmel nicht beygelegt hat: Wie lebhaft istIris! wie schöne ist Dorindc! Dieses ist ei» heimlicher Fallstrick, deneuch ihre Furcht leget. Sagt also, daß ihre Reize nichts rührendeshaben, und treibt die List so gar bis sie zu verachten. Das Lob

einer jeden andern hat das Ansehen einer Critick."--Den Un-

Vollkommenheiten der geliebten Person muß man vorthcilhafle Namen